MDM-1 Fox

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SAGA-Fox HB-3241

Foto: © Fabian Grunder

Der Fox ist bislang das einzige doppelsitzige Wettbewerbs-Segelkunstflugzeug.
Entworfen wurde er vom Konstrukteur des Swift, Ing. Edward Margański. (Das Kürzel MDM stand für die Produktionsgesellschaft Margański - Dunowski - Makula).
Noch während der Arbeiten am Swift entstand das Konzept eines Doppelsitzers, der die Auslegung des Swift übernehmen und möglichst die gleichen Eigenschaften aufweisen sollte. Die Projektarbeiten begannen bereits 1990 und der Erstflug fand am 9. Juli 1993 statt. Jerzy "Jurek" Makula erflog im Monat darauf mit dem Fox-Prototyp seine fünfte Weltmeisterschaft in Venlo, NL.

Die Flächen des Prototyps hatten noch weitgehend den gleichen Aufbau wie die des Swift. Daher war die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h begrenzt und die Lastvielfache, auch einsitzig, auf +7/-5. Das Cockpit des Prototypen war wohl auf die Statur von Jurek Makula zugeschnitten. Jedenfalls passte ein etwas grösser gewachsener Westeuropäer mit dem besten Willen nicht hinein, schon gar nicht in den Rücksitz. Deshalb bekam die Serienversion des Fox verstärkte Flächen und ein verlängertes Rumpfvorderteil mit erheblich vergrössertem Cockpit.

In der Kunstflugausbildung ist dieses Flugzeug von unschätzbarem Wert. Auch schwierige Unlimited-Figuren können mit dem Fox problemlos am Doppelsteuer erlernt und geübt werden.
Aufgrund seiner Auslegung für den Wettbewerbskunstflug ist der Fox aber kein Anfängerflugzeug. Das im Vergleich zu "normalen" Segelflugzeugen "giftige" Überziehverhalten führte zu einigen tödlichen Unfällen.
Wie es sich für ein Kunstflugzeug gehört, kann man mit dem Fox bis zur Manövergeschwindigkeit durch einen harten Höhenruderausschlag einen Strömungsabriss herbeiführen. Bei der Flächenbelastung des Fox wird aber einiges an Höhe verbraucht, bis die Strömung wieder anliegt. Geschieht das in zu geringer Höhe, liegt das Resultat leider auf der Hand...
Wird beim Reissen das Höhensteuer versehentlich voll durchgezogen, nimmt der Fox einen extremen Anstellwinkel ein und ist erst nach mehreren Umdrehungen wieder "einzufangen". Das sieht zwar spektakulär aus, aber der Höhenverlust dabei ist enorm. Generell dürfen Manöver mit abgerissener Strömung im Fox nur mit ausreichender Sicherheitshöhe geflogen werden.
Die SAGA verlangt für Alleinflüge auf den Fox eine mindest-Flugerfahrung von 150 Segelflugstunden sowie eine umfassende Einweisung in Grenzflugzustände.

Gegen den Swift hat der Fox im Wettbewerb allerdings einen schweren Stand.
Der Doppelsitzer ist durch seine schlechtere Aerodynamik (kein Einziehfahrwerk) und die langsamere Rollrate benachteiligt. Besonders bei Kürprogrammen macht sich der grössere Höhenverbrauch bemerkbar. Daneben spielt die ungünstigere "Optik" des Flugzeugs bei den Punktrichtern eine ganz entscheidende Rolle: In der Seitenansicht ist die Rumpflängsachse des Fox gegenüber der Nullauftriebsachse um einige Grad nach unten geneigt. Das hat zur Folge, dass vor allem senkrechte Linien aufwärts als zu flach und abwärts als "übersenkrecht" erscheinen, was die Punktrichter zwar gemäss Reglement berücksichtigen sollten,aber meistens dennoch mit schmerzhaften Abzügen bei den Figurennoten bestrafen.
Bei der Weltmeisterschaft 2009 traten letztmals noch zwei "normale" Föxe in der Unlimited an. Trotzdem schaffte es der Deutsche Eugen Schaal mit seinem Fox auf den fünften Rang der Gesamtwertung. Hier gab aber das überragende Können und nicht die Qualitäten des Fox den Ausschlag. Bei der Unlimited-Weltmeisterschaft 2011 war dann kein Fox mehr dabei. Auch Eugen Schaal war auf einen Swift umgestiegen.
In der Advanced sieht es etwas anders aus. Nachdem es auch hier zwischenzeitlich so schien, als ob der Fox vom Swift verdrängt würde, sieht man seit 2014 wieder mehr Föxe unter den Top Ten. Bei der Advanced-WM 2015 erflog der junge Schweizer Jonas Langenegger mit dem Fox sogar Gold in der Bekannten Pflicht, Silber in der Kür und Bronze in der Gesamtwertung.

Um zumindest die Aerodynamik zu verbessern, wurde 2001/02 der Fox-Prototyp zum Einsitzer umgebaut. Den Platz des hinteren Pilotensitzes nimmt das Einziehfahrwerk ein. Zu einem Serienbau des "Solo-Fox" kam es damals mangels Nachfrage nicht. Der Solo-Fox ist zwar in den Gleitflugleistungen dem Doppelsitzer klar überlegen, aber weil die Flächen nach wie vor die des Prototypen sind, hat er auch die selben eingeschränkten Betriebsgrenzen(+7 / -5 und VNE = 256 km/h)
2011 gewann Jerzy Makula mit dem Solo-Fox seine siebte Weltmeisterschaft in Toruń, PL.

Solo Fox

Der erste und bislang einzige Solo-Fox (2012)

Einen völlig anderen Weg zur Verbesserung des Fox beschritt Dietmar Poll:
Er verlängerte den Rumpf und baute das Einziehfahrwerk einer DG-500 ein. Da das Hauptrad hinter dem Schwerpunkt liegt, braucht der "Pinocchio" dann auch ein kleines Bugrad wie die DG-500. Durch den Umbau erhöhte sich die Leermasse um etwa 20 kg. Der Pinocchio ist als Experimental bei einer maximalen Flugmasse von 555 kg mit weitgehend den selben Betriebsgrenzen wie der "normale" Fox zugelassen. Nach Ansicht seines Konstrukteurs entsprechen die Flugleistungen des Pinocchio in etwa denen des Solo-Fox, wobei die Gleitflugpolare im oberen Geschwindigkeitsbereich aufgrund der höheren Flächenbelastung bestimmt besser ist.
Der Pinocchio wird ein Einzelstück bleiben. Eine Musterzulassung dieses Umbaus ist aus Kostengründen jedenfalls nicht vorgesehen.

Pinocchio

"Pinocchio" und Normalfox zum Vergleich

Technische Daten

Spannweite 14,00 m
Flügelfläche 12,34 m²
Flügelprofil NACA 641-412
Länge 7,38 m
Höhe (in Fluglage) 2,25 m
Maximale Leermasse 361 kg
Maximale Flugmasse 530 kg
sichere Lastvielfache +7 / -5
im Soloflug mit max. 450 kg Flugmasse +9 / -6
Höchstgeschwindigkeit VNE 282 km/h
Manövergeschwindigkeit VA 214 km/h
beste Gleitzahl 29 bei 130 km/h
Mindestgeschwindigkeit Vs 84 km/h
im Soloflug mit max. 450 kg Flugmasse 78 km/h

Stand, 10-2015

 

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