
Segel-Kunstflugzeuge

Das zweifellos erfolgreichste je in der Schweiz gebaute Segelflugzeug wurde Mitte der 1960er von Werner Kuffner in Deutschland für den Bauunternehmer Wilhelm Basten (daher die Bezeichnung B4) konstruiert. Basten liess einen Prototyp bauen, der ca. 1969 flog. Pilatus übernahm den Entwurf und entwickelte ihn zur Serienreife.
Seit im Frühling 1972 das erste Serienflugzeug HB-1100 seinen Erstflug hatte, wurden mehr als 300 Exemplare gebaut. Der B4 erwies sich dank seiner Robustheit und Wartungsfreundlichkeit sehr schnell als ideales Allroundflugzeug. Auch im Ausland erfreute er sich wachsender Beliebtheit, und so fliegen auch heute noch viele B4 auf nahezu allen Kontinenten. Ein geplanter Lizenzbau in Japan kam nicht in Gang. Pilatus hatte zwar die entsprechenden Lizenzen und Fertigungsunterlagen nach Japan verkauft, es wurden aber nur wenige Exemplare gebaut, bevor die Japaner das Programm wieder einstellten.
Recht bald zeigte sich, dass mit einigen Änderungen und Verstärkungen
an der Zelle aus dem B4 ein vollwertiges Kunstflugzeug zu machen war. So entstand zuerst
die Version PC-11A, mit der auch Rollen und Rückenflug möglich waren, und wenig später
erschien die PC-11AF mit der zusätzlich gerissene und gestossene Figuren geflogen werden
konnten.
Während vieler Jahren prägte der B4 das Bild der Segelkunstflug-Schweizermeisterschaften.
Es gab Jahre, da flogen alle Teilnehmer von Espoirs bis Elite auf B4.
Siehe SAGA-Minichronik
In den letzten Jahren änderte sich das Bild. 1995 flog zum letzten Mal ein B4
in der Elite.
Inzwischen wurde der B4 aber auch in der Promotion zunehmend (und zu Unrecht) vom Fox verdrängt.
Im Vergleich zu den neueren Kunstflug-Seglern sind die Betriebsgrenzen des B4 ziemlich restriktiv. Mit einer VA = 163km/h und einer VNE = 240km/h kommt man besonders in der Senkrechten schnell an die Limits. Das umso mehr, als der B4 auch recht behäbig rollt. So ist z.B. eine Figur mit Viertelrolle senkrecht aufwärts aus 240 km/h kaum fliegbar. Das bedeutet, dass man die heute in der Elite geforderten Programme auf dem B4 praktisch nicht mehr innerhalb der Betriebsgrenzen fliegen kann.
Für die Advanced ist und bleibt der B4 aber ein voll konkurrenzfähiges
Flugzeug.
Bei der ersten Weltmeisterschaft in der neuen Advanced Klasse im Juli 2010
wurde der junge Schwede Johan Gustafsson auf seinem B4 Weltmeister gegen 30 Konkurrenten,
die überwiegend Fox flogen.

Seit Anfang 2008 ist auch die SAGA im Besitz eines B4.
Der HB-1253 wurde uns von seinem Vorbesitzer, Georges Bott, zu ausgesprochen
freundschaftlichen Konditionen überlassen, und ist wie der SAGA-Fox in Schänis
stationiert. Das Flugzeug steht allen Piloten der SAGA jederzeit zur Verfügung.
Junioren, d.h. PilotInnen unter 25, zahlen für den B4 übrigens keine Fluggebühr.
(siehe SAGA-Tarifliste 08)

Der SAGA-B4 im März 2009 beim BFK 4 in
Locarno
Foto © Werner Finck
Technische Daten
| Spannweite | 15m |
| Länge | 6,57m |
| Flügelfläche | 14,05m2 |
| Profil | NACA 643 - 618 |
| Leermasse | 240kg |
| Flugmasse | 350kg |
| Lastvielfache | +7/-4,7 |
| Manövergeschwindigkeit VA | 163km/h |
| Höchstgeschwindigkeit VNE | 240km/h |
| Mindestgeschwindigkeit VS | 60km/h |
| beste Gleitzahl | 35 bei 85km/h |
| geringstes Sinken | 0,64m/s bei 75km/h |
update M. Echter 07-2010