
Die SM 98 in Buochs ist
aussergewöhnlich: Eine so lange Piste, dass man gleichzeitig auf einer Hälfte
landen und der anderen starten kann, mit auch aus der Höhe sehr gut erkennbaren
Eckpunkten für die Box, einem ausgezeichneten Standort für die
Punktrichter und einer perfekten Organisation durch die SG
Nidwalden. Dazu gehört auch, dass der Wettbewerbsleiter für
seinen Papierkrieg eine komplette Baracke samt Kopiermaschine zur
Verfügung hat. Am ersten Trainingstag rauscht Fred Kormann
zufrieden mit dem Schlüssel zum militärischen C-Büro los,
richtet sich dort in den vorerst leeren Räumen häuslich ein und
waltet emsig seines Amtes.
Allerdings kommt es ihm irgendwie schon etwas komisch vor, dass
die als robust bezeichnete Kopiermaschine häufige
Abkühlungspausen benötigt, aber die benützt er, um dem
inzwischen eingetroffenen Flugplatzchef die Meldungen ins Büro
zu reichen, die gleich neben dem Kopierer aus dem Fax sprudeln.
Dem Flugplatzchef ist's recht, er hat überhaupt nichts gegen
seinen unerwarteten Helfer.
Ebenso stört es den Militärpiloten im Vollwichs keineswegs,
dass Fred seine Papiere im Pilotenraum ausbreitet. Die Frage, ob
er bei solch schönem Wetter auch in die Luft wolle, bejaht der
EMD-Adler und fügt schmunzelnd bei, seine Maschine habe jedoch
einen viel zu schlechten Gleitwinkel, um ohne "Töff"
herumgurken zu können. Sagt's, verschwindet Richtung Hangar, und
kurz danach donnert er per Mirage gen Himmel. Einige Minuten
später die Ueberraschung: Der Kanton Nidwalden erzittert unter
einem Ueberschallknall. Erlaubt oder nicht ? Tant pis, das ist
nicht unser Bier, wir sind hier nur Gäste.
Nach der Landung kehrt der Militärpilot ins Büro zurück. Fred
kann es sich nicht verkneifen, dem Krachmacher spasseshalber
einen "Anschiss" zu verpassen: "Gottseidank bin
ich bei diesem 'Chlapf' gestanden, sonst wäre ich bei dem derart
unvorschriftsgemässen und erst noch durch Verschleuderung von
Steuergeldern verursachten Lärm vom Stuhl gefallen !" Und
staunt, als der EMD-Pilot sichtlich erbleicht und bei seiner
verlegenen Antwort leicht stottert. Des Rätsels Lösung dämmert
ihm erst später: Der "Sünder" vermutete
offensichtlich, beim Mann mit dem urchigen Bärndütsch, der sich
so routiniert im militärischen C-Büro bewegt, handle es sich um
einen Mitarbeiter seines obersten Chefs Dölf Ogi !
Kurz danach kommt ein zweites Missverständnis ans Tageslicht:
Der Verkehrsleiter auf dem Turm fragt Béatrice Gugelmann
ziemlich besorgt, ob wir für unsere unzähligen Kopien nicht
einen leistungsfähigeren Apparat benützen sollten. Worauf
Béatrice den verdutzten Fred aufklärt, die SAGA-Kopiermaschine
stehe in einer für uns reservierten Baracke neben dem C-Büro,
nicht im C-Büro selber ! Und tauft ihn spontan
Ueberschall-Kopierer.

Vor dem Chlapf!
Die SM 99 in Schänis ist in vollem Gange. Auf die
Wettbewerbsleitung wartet nach einem arbeitsreichen Tag als
Punktrichter noch vor dem Nachtessen die Aufgabe, für den
nächsten Tag den unbekannte Pflichten den letzten
Schliff zu geben. Das zieht sich jedoch in die Länge, weil
es nicht einfach ist, die vorgeschlagenen Figuren zu
vernünftigen Programmen zu verbinden.
Zwei Piloten mit "Stalldrang" hinterlassen im Büro
ihre Fax-Nummern mit der Bitte, die fertigen Programme möglichst
schnell an sie zu senden. Stefan Heldstab, immer bereit für
einen Spass, hat Wind bekommen von diesem Vorhaben. Prompt
zeichnet er "unmögliche" Phantasie-Programme und
schickt sie an die beiden Konkurrenten. Mindestens einer davon
versucht sich zuhause zähneknirschend eine Stunde lang erfolglos
vorzustellen, wie ein derartiges "Geheu" geflogen
werden kann. Bis endlich die Erlösung in Form des echten
Programmes eintrifft ! Dem Chronisten ist nicht bekannt, ob
dieser Nervenkrieg signifikante Auswirkungen auf die
nachfolgenden Flugleistungen von Stefans Opfern hatte.
Selbigem Stefan ist es übrigens auch zu verdanken, dass an der
SM 98 in die unbekannte Pflicht der Promotion die einfachste
aller möglichen Figuren mit dem kleinsten K-Faktor von 2
eingebaut wird:
1.1.1 -
die GERADE im Normalflug...
WM-Moritaten
1. In der Wüste
Aus politischen, für den Normalbürger nicht nachvollziehbaren Gründen werden internationale Meisterschaften immer wieder an Nationen vergeben, die zwar nicht Entwicklungsländer, aber die für solche Wettkämpfe kaum geeignet sind. Manchmal sind die lokalen Organisatoren schlicht überfordert. Die TeilnehmerInnen der World Air Games 97 in der Türkei z.B. können ein Liedlein singen von Pisten ohne Sicherheitszonen, umgeben von unlandbarem Gelände, auf der Landebahn zu Beginn noch Teermaschinen, "Backzelte" als Mannschaftsräume draussen in der schattenlosen Wüste, das konstante Informationswirrwarr usw.

2. Polen nach der "Wende"
An der Segelkunstflug-WM 91 in Polen wird eher gefroren als geschwitzt. Obschon die Einstellung der lokalen Leitung oft den Puls hochjagt: Sie betrachtet den Wettbewerb primär als günstige Gelegenheit zum "absahnen". Alles kostet plötzlich extra, und mehr als genug. Beispielsweise soll für die Abschiedsfeier, in den WM-Unterlagen als inbegriffen vermerkt, plötzlich $ 10.- hingelegt werden. Die polnischen Funktionäre lassen erst davon ab, als alle Teams unmissverständlich mit einem Boykott der Veranstaltung drohen.
3. "Offizielle Unterkunft"
Von all dem ahnen der als Punktrichter aufgebotene Hermann Fuhrer und sein Assistent Fred Kormann bei ihrer nächtlichen Ankunft in Polen noch nichts. Hauptsache, ein "Näscht" nach der unendlich langen Autofahrt. Doch böses Erwachen noch vor dem abliegen: Die als moderne Sportschule angepriesene Unterkunft, pro Nacht US$ 25.-, erweist sich als zwar grosszügige, aber total verlotterte Anlage. Fred muss mitten in der Nacht mühsam Werkzeug organisieren, um seine "Höhle" überhaupt aufschliessen zu können. Hermann hat einen Siebenschläfer als Untermieter. Später vernimmt man, dass ein Zimmer im besten Hotel der Stadt etwa zwei Drittel billiger ist als unsere Bruchbuden.
4. Bedauernswerte Punktrichter
A propos Punktrichter: 1991 ist die sog. "Anonymitätsregel" noch in Kraft. Deshalb müssen die Punktrichter bei Unterbrüchen auf dem Feld draussen ausharren, und Regen und zu starke Winde erzwingen häufig derartige Pausen. Da hockt oder steht sie nun im nasskalten "Schiri-Ghetto", die verhasste Punktrichter-Clique, reglementskonform ohne geringsten Kontakt mit den Piloten oder Betreuern, und ist bereits glücklich über ein Stück Zeltplane, das ein bisschen vor der Wetterunbill schützt. Das höchste der Gefühle ist, wenn eine barmherzige Seele sich nach Stunden erbarmt und dem frierenden Häuflein eine Kanne lauwarmen Tee bringt.

Wiederbelebungsversuche an einem durchgefrorenen Punktrichter
5. Chief Judge auf Abwegen
Ist Stress, die grosse Verantwortung oder der durchtriebene polnische Contest Director schuld, dass es Ken Stout, dem Chief Judge, eines Abends einfach "aushängt" ? Wie auch immer, er wird mitten in der Fussgängerzone von Zielona Gora durch die Polizei ziemlich besoffen aus seinem Auto geholt. Nach der Nacht in der Ausnüchterungszelle ist Ken beim Wettkampf jedoch wie gewohnt dabei und einsatzbereit. Das Auto hat er später auch wieder erhalten, es stand immer noch in der Fussgängerzone.
6. Das "Bussgeld"
Die polnische Polizei bemüht sich genau wie bei uns, Raser zu überführen und zu bestrafen. Peter Huber (A) wird in einer Radarfalle erwischt: 82 statt 60 km/h! Mamma mia, das wird sicher eine Menge Geld kosten. Für die Einheimischen fürwahr eine Menge Geld, seine Busse von 100.000 Zloty, aber umgerechnet nur schon fast lächerliche 15 Schweizerfranken!
Besagter Peter Huber flog
damals auf einer schon etwas betagten B4 mit. Als ihm nach dem
obligatorischen Plombieren des Funkgeräts der polnische
technische Kommissar "Good Luck!" wünscht, meint
Peter:
"I woas scho, dass mei Lack nimmer so guat is, dös braucht
der mir aber jetzt net au no zu sagn!"
In den 80er Jahren ist "Segelfliegen ist Streckenfliegen" das Motto der Segelflugkommission (SFK, später SFVS). Sie sträubt sich etwas gegen die Piloten, die gerne in der Rückenlage fliegen. 1983 wird die SAGA (trotzdem) als Fachsektion für Segelkunstflug in den AeCS aufgenommen. Der Vorstand findet, die Streckenflug-lastige SFK sollte endlich durch einen Kunstflieger ergänzt werden, und schlägt Peter von Burg zuhanden der Obmännerkonferenz 1985 zur Wahl vor. Dort wird jedoch erläutert, seine Nomination sei ungültig, weil sie nicht reglementskonform durch eine Gruppe, sondern durch eine Fachsektion erfolgt ist. PvB ist AFG-Mitglied, aber die anwesenden Vertreter der Gruppe können ohne Vorstandsbeschluss keinen Wahlvorschlag machen. Betretene Gesichter bei den Kunstfliegern. Da hat Fred Kormann, sowohl SAGA-Mitglied und Obmann der SG Roche, eine Idee: Er schlägt Peter im Namen seiner Gruppe vor, und er wird gewählt ! So nimmt mit PvB, der nie Mitglied der SG Roche war, der erste Kunstflug-Vertreter Einsitz in unsere oberste Spartenbehörde.

Wie Béatrice Gugelmann zur SAGA kam oder
erste Begegnung mit Hermann Fuhrer
1994 wars. Christian Schmid hatte Béatrice überzeugt, auch an der
SAGA-Sitzung im Basler Holiday Inn teilzunehmen. Damals war sie
noch nicht aktiv im Kunstflug, und über die SAGA wusste sie kaum
mehr, als dass es sie gibt.
Christian muss vorher schnell aufs Hüsli,
deshalb ist Béatrice als Erste im Restaurant. Sie organisiert
einen passenden Platz für die Sitzung und sitzt erwartungsfroh
am Tisch, als ein älterer Herr auf sie zukommt und höflich
fragt, ob hier noch ein Platz frei sei. Eigentlich
schon, gibt Béatrice ihm zögernd Bescheid, und denkt
etwas empört, es sei wieder mal typisch, der Herr fragt nicht
gross und setzt sich gleich zu mir, und jetzt will er sicher auch
noch wissen, warum ich einen Tisch für so viele Leute reserviere
! "Sehen Sie, es sind Segelkunstflieger, die ich noch
erwarte; ich nehme das erste Mal an einer solchen Sitzung
teil". Der ältere Herr erkundigt sich höflich, was das
denn sei, der Segelkunstflug, und Béatrice gibt sich alle Mühe,
ihm etwas zu erklären, was sie selbst nicht so genau kennt.
In diesem Moment tritt Christian an den Tisch und klärt die ziemlich verdutzte Béatrice auf, dass der liebe Pappeli, mit dem sie sich gerade unterhält, der Gründer und Ehrenpräsident der SAGA ist!

Wie Eric Müller zum Segelkunstflug kam
Grenchen, Frühling 1983
Eric Müller ist überzeugt worden, dass er nach acht Jahren ohne
Segelflug wieder einmal in ein Flugzeug ohne Motor steigen
sollte. Gesagt, getan. Zuerst macht Hermann Fuhrer mit ihm zwei
Kontrollflüge im Doppelsitzer. Alles i.O.
Deshalb schickt Hermann seinen Flugschüler während der
schleppfreien Mittagspause mit dem B4
in den Jura. Eric soll sein
Talent beim Aufspüren von Thermik beweisen. Inzwischen ist auch Fred Kormann
auf dem Platz. Als Eric mit enormer Höhenreserve in den Abkreisraum
zurückkommt, hat Fred eine Idee: "Hermann, was meinst Du,
kann Eric auch mit dem Segelflugzeug turnen ? Oder
hat er bei einem Turn ohne Unterstützung durch Propellerwind
vielleicht Probleme ?"
Hermann grinst, aktiviert den Akroraum und meldet Eric per Funk
den Wunsch. Der Turn ist einwandfrei, ebenso ein zweiter und ein
dritter. Nach unserer Frage, ob er noch weitere Figuren kenne,
improvisiert Eric ein ganzes Programm.
Die Normalflieger sind erschüttert: Eine Rolle
gerät ganz leicht aus der Längsachse, der Rest ist erstklassig,
und all das bei einem Flugschüler, der Segelflugzeuge seit
Jahren nur von aussen gesehen hat!
Der einzige "Trost" für die anderen Piloten: Nach der
Landung, natürlich ebenfalls perfekt, steht Eric leicht verlegen
beim B4, weil er nicht ganz sicher ist, wie man ohne Störung des
restlichen Betriebes einen motorlosen Flüger von der Piste
entfernt.

Nachspiel:
Das Tüpfelchem auf dem i kam später im gleichen Jahr: Eric, immer noch Flugschüler, nimmt an der Segelkunstflug-SM 83 in der Elitekategorie teil und wird nur von Christian Schweizer knapp geschlagen.