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Es war einmal
ein AeCS-Fachreferent für Segelflug namens Willi
Ritschard, der Ende 1974 eine Einladung verschickte. Das Ziel: Gründung einer
Fachgruppe für Segelflug-Akrobatik. Der Vorschlag fand Gehör in der
HB-Segelfliegerei. Nur wenig später, am
1. März 1975,
gründeten 23 Segelflieger
die Swiss Aerobatic Gliding Association (SAGA), und Hermann Fuhrer wurde zu ihrem
ersten Präsidenten gewählt. Der Name SAGA beruht auf der Analogie zur damals
schon etablierten Vereinigung der Schweizer Motorkunstflugflieger (SAA).
Zu den Gründern stiessen bald neue PilotInnen, die unsere Welt nicht nur aus der
Normalfluglage betrachten wollten.>
 

Die ersten Jahre
Hermann Fuhrer nahm seine Aufgabe mit Elan in Angriff. Zusammen mit dem AeCS wurden in mühsamer Kleinarbeit die Statuten ausgearbeitet, Kurse und Wettbewerbe organisiert sowie Plätze gesucht, die Kunstflug erlaubten. Bis 1997 besass die SAGA kein eigenes Flugzeug. Für die Ausbildung mussten deshalb Doppelsitzer gemietet werden, während der fliegerische "Feinschliff" jahrelang vorwiegend auf Hermanns privaten B4 und Salto erfolgte.
Die
Segelflugkommission
(SFK), aus der später der SFVS
entstand, war anfänglich nicht sonderlich begeistert über ihre Mitglieder, die
lieber in der Rückenlage fliegen.
Kein Wunder, das wichtigste SFK-Motto damals war "Segelfliegen ist
Streckenfliegen". Es dauerte ein Weilchen bis SFK und AeCS anerkannten,
dass die SAGA kein wilder Haufen von waghalsigen Akrobaten war. Schliesslich war
die Zeit doch reif: Im März 1983 wurde die SAGA an der Delegiertenversammlung als
Fachsektion für Segelkunstflug in den AeCS aufgenommen. 1985 wurde mit
Peter von Burg
erstmals ein Vertreter des
Segelkunstflugs in die SFK gewählt, etwas später mit Enrico Colla sogar ein
zweites SAGA-Aktivmitglied.
Jetzt sind wir "öpper"
Mit der Aufnahme in den AeCS wurden die bisher durchgeführten
Wettbewerbe zu offiziellen Segelkunstflug-Schweizermeisterschaften aufgewertet.
Zuoberst auf der Rangliste der ersten SM (1983 in La Chaux-de-Fonds) standen
prominente Namen:
Christian Schweizer
und
Eric Müller.
Chrigus Können mit dem B4 war schon
vorher bekannt, während Eric seine Liebe zum motorlosen Kunstflug erst in diesem
Jahr entdeckt hatte. Der Clou: Es fehlte nur wenig, und Eric wäre Schweizermeister
in der Elitekategorie geworden - als Segelflugschüler!
Nicht nur in der Schweiz, auch international hatte sich der Segelkunstflug erfreulich entwickelt. An der ersten Weltmeisterschaft 1985 in Mauterndorf, Oesterreich, war auch die Schweiz mit dem Ein-Mann-Team Peter Gafner und Hermann Fuhrer als Punktrichter dabei.
An der GV vom Februar 1987 tritt Walter Martig die Nachfolge von
Hermann als Präsident der SAGA an. Als Anerkennung für seine unschätzbaren
Verdienste um den Segelkunstflug wird Hermann zum Ehrenmitglied gewählt.
Sein Rücktritt bedeutete keinesfalls Ruhestand. Er nahm weiterhin fliegerische
Küken unter seine Fittiche und wurde im In- und Ausland als kompetenter
Punktrichter geschätzt.
Bis in die frühen 90er Jahre waren die SAGA und der ganze HB-Segelkunstflug von
Harmonie geprägt.
Mit einer Kür-Silbermedaille für Walter Martig sowie Bronze
für die Mannschaft an der WM 1989 in Hockenheim, Deutschland, konnte der
bislang grösste internationale Erfolg gefeiert werden.

Weniger Erfreuliches
Es gab jedoch auch Unerfreuliches. Die negative Serie begann an
der
SM 88 in Thun,
als der junge Andy Natterer beim
Training mit dem
Salto
tödlich verunglückte.
Ein vielversprechender Pilot wurde viel zu früh aus unseren
Reihen gerissen.
In Thun verloren wir aber auch das einzige HB-Flugzeug, mit dem
man im internationalen Segelkunstflug einigermassen mithalten konnte. Deshalb
wurde 1989 von einem SAGA-Trio ein
Celstar GA-1
angeschafft, ein neues und
konsequent für den Segelkunstflug konzipiertes Flugzeug. Leider stellte sich
bald heraus, dass die Fertigungsqualität des Celstar ziemlich lausig war. Bis
zur Flugtüchtigkeit waren Hunderte von Arbeitsstunden notwendig. Eine
Fehlinvestition ?
Nun, mindestens etwas Pech: Als die SAGA 1989 ein Spitzenflugzeug brauchte, gab
es nur den Celstar; der viel besser geeignete
Swift
kam erst zwei Jahre später auf
den Markt. Zum Zeitpunkt der Celstar-Bestellung konnte niemand wissen, dass
damit nach nur drei gelieferten Flugzeugen bereits Schluss sein
würde
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WM 91 in Polen: Stets umringt war der schwedische Prototyp Windex 1200 Daneben der Celstar |
Es "mönschelet" überall, auch bei der SAGA:
Persönliche Differenzen, Unstimmigkeiten bei der Kassenführung sowie gewisse
Mitglieder, die SAGA-Internes in nicht immer wahrheitsgetreuer Art in die
Öffentlichkeit trugen.
Der Tiefpunkt war erreicht, als ein ehemaliges Vorstandsmitglied die SM 93 wegen
eines bedeutungslosen Formfehlers in der Ausschreibung abschoss.
Wieder im Hoch
Danach ging es wieder aufwärts. Die fehlerhafte Kassenführung erwies sich als die Folge von mangelnden buchhalterischen Kenntnissen, der Verein erlitt keine finanziellen Verluste. Bei der SAGA näherte man sich wieder dem Normalzustand, obschon die Nachwehen in den Köpfen noch etwas Zeit brauchten und deswegen 1994 keine SM stattfand.
Neue Besen kehren gut. Deshalb wurde ein neuer Vorstand eingesetzt, um das SAGA-Schiff mit frischen Kräften von Altlasten zu befreien und erneut in ruhigere Bahnen zu lenken. Das ist voll gelungen. Die alten Hasen staunten, mit wieviel Schwung die Jüngeren unter der Leitung von Christian Schmid und Béatrice Gugelmann in die Hosen stiegen. Mit der erfolgreichen SM 95 in Bad Ragaz wurde fliegerisch an die früheren SAGA-Aktivitäten angeknüpft, und mit dem Eintritt in den SFVS wurde die SAGA zweckmässig in die aktuelle AeCS-Struktur eingebunden.
Der Aufschwung hielt an. Heute organisiert die SAGA wieder regelmässig Meisterschaften, führt Ausbildungskurse durch, und die Mitgliederliste umfasst etwa 100 Namen. Beim Material ist die SAGA top. Mit dem Fox

besitzt die SAGA seit 1997 den weltweit besten Doppelsitzer für höheren Segelkunstflug, und einige Könner fliegen ein eigenes Hochleistungsflugzeug vom Typ Swift.
Für die Kunstflug-Grundschulung und die Förderung der aufstrebenden PilotInnen führt die SAGA alljährlich Kurse durch. Der Breitenförderungskurs (BFK) 4 fand 2010 schon zum fünfzehnten Mal in Locarno- Magadino statt. Dafür werden regelmässig bewährte Schulflugzeuge wie die ASK-21 angemietet.
Alfred Kormann
Nachtrag
Seit Frühjahr 2005 hat die SAGA eine neue Heimat in Schänis gefunden. Die dort gebotenen guten Bedingungen für den Kunstflug und die Möglichkeit, täglich während der ganzen Saison zu trainieren, werden hoffentlich dem Schweizer Segelkunstflug weiteren Auftrieb verschaffen.
M. Echter 10-2005