Segel-Kunstflugzeuge

 

Diamant HBV

 

 

Anfang der 1960er erforschten an der ETH Zürich Thomas Bircher und Jan van Voornveld die Möglichkeiten der neuartigen Kunststoffbauweise für Segelflugzeuge.
Dazu entwarfen sie einen Rumpf mit sehr geringem Querschnitt und liegender Position des Piloten. Zur Minimierung des Rumpfquerschnitts verlegten sie den Steuerknüppel an die rechte Bordwand.
Damals war man überzeugt, dass zur Widerstands-Optimierung ein möglichst kleiner Rumpfquerschnitt vorteilhaft wäre. Diese Philosophie hatten die Polen konsequent beim Entwurf der
Foka angewandt. Heute weiss man, dass die marginalen Leistungsvorteile die mangelhafte Ergonomie der extrem liegenden Position nicht rechtfertigen. Die modernen Spindelrümpfe mit dünnem Leitwerksträger resultieren aber auch aus der Erkenntnis, dass eine kleine umspülte Oberfläche für die Widerstandsbilanz wichtiger ist als ein minimierter Rumpfquerschnitt.
Der neue Rumpf bekam den Holzflügel einer Ka 6 CR und den Namen "Ka-Bi-Vo", wobei das "Ka" für Kaiser, den Konstrukteur der Ka 6, stand.

In einem nächsten Schritt entstand das erste Schweizer Ganzkunstoff-Segelflugzeug:
Bircher und van Voornveld kombinierten ihren Rumpf, der inzwischen auch ein Einziehfahrwerk bekommen hatte, mit den Flügeln der Hütter H-301 Libelle. Das neue Flugzeug nannten sie Diamant HBV, wobei das H für Hütter stand. Der Diamant HBV machte seinen Erstflug im September 1964 in Altenrhein mit Thomas Bircher im Cockpit. Die Flugleistungen des Diamant HBV entsprachen mit einer besten Gleitzahl 39 denen der H-301 Libelle.

In den Jahren 1966/67 wurden vom Diamant HBV insgesamt 13 Stück bei den FFA in Altenrhein gebaut.
Ab 1967 brachten die FFA die Weiterentwicklungen Diamant 16,5 und Diamant 18 heraus, welche im wesentlichen den ursprünglichen Rumpf (ohne den Sidestick) übernahmen, aber einen völlig neuen Flügel mit Wortmann-Profil und 16,5 bzw.18m Spannweite hatten.

Dass man mit dem Diamant HBV trotz seiner Eigenheiten (Sidestick und Pendel-Höhenruder) auch kunstfliegen kann, stellte bei der Schweizermeisterschaft 2005 Peter Hanhart von der SG Bad Ragaz unter Beweis. Im Espoirs-Wettbewerb belegte er mit seinem super gepflegten Oldtimer den ehrenvollen 4. Rang.

Technische Daten

Spannweite 15,0m
Flügelfläche 9,72m2
Flügelprofil Hütter
Länge 7,56m
max. Flugmasse 300kg
Flächenbelastung 30,8kg/m2
Höchstgeschwindigkeit VNE 270km/h
Gleitzahl 39 bei 100km/h

Quelle: Geistmann, Die Entwicklung der Kunststoff-Segelflugzeuge, Stuttgart 1976

 

M. Echter, 12-2005