Segel-Kunstflugzeuge

 

Ly-542-K Stösser

 

Der Ly-542-K Stösser entstand 1954 als Doppelsitzer für die Kunstflugschulung. Der Entwurf stammt von Paul Lüty, gebaut wurde das einzige Exemplar bei Atze Ahrens in Krefeld. Für seine Zeit war der Stösser ein sehr fortschrittliches Flugzeug, das sich aber aufgrund seiner aufwändigen Bauweise und Mängeln in den Flugeigenschaften nicht durchsetzen konnte.

Der Stösser hat eine Spannweite von nur 12,9 Metern bei einem maximalen Abfluggewicht von über 500kg. Die Flächenbelastung war mit über 35 kp/m2 für damalige Verhältnisse extrem hoch. Alle Ruder sind massenausgeglichen und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 300km/h. Der auf der Oberseite voll mit Sperrholz beplankte Flügel hat Schempp-Hirth-Bremsklappen und an der Flügelnase eine negative Pfeilung von 5 Grad. Die Holmgurte sind aus TBu 20 wie bei der Lo100.
Als Flügelprofil wählte man ein modifiziertes Gö 549, welches sich schon in den Vorkriegskonstruktionen DFS Weihe und DFS Meise bewährt hatte.
Das Flugzeug wurde nach den damals gültigen Lufttüchtigkeitsforderungen von 1939 in der höchsten Beanspruchungsgruppe (3) ausgelegt. Als sichere Lastvielfache waren dafür +6 und -3 bei einem Sicherheitsfaktor 2 gefordert.
Die Höchstgeschwindigkeit war anfangs mit 410 km/h angegeben, wurde später aber auf 300 km/h reduziert.

Beim Stösser, ebenso wie bei seinem Vorgänger, der Ly-532 von 1953 und später dem Delphin von Ahrens hatte man versucht, die von dem Schweizer Aerodynamiker Fritz Dubs Anfang der 1950er vorgeschlagene "passive Grenzschichtabsaugung" zu realisieren. Dazu sollte der Unterdruck an der Oberseite des Flügelendes benutzt werden, um durch den dafür abgedichteten Aussenflügel die turbulente Grenzschicht aus dem Querruderspalt abzusaugen. Man erhoffte sich davon eine gute Rollwendigkeit in allen Geschwindigkeitsbereichen mit Querrudern, die eine Tiefe von nur 10 cm hatten.
Leider funktionierte dieses System nie richtig. Die Querruderwirkung des Stösser war generell ungenügend, bei niedriger Fahrt, insbesondere im Start, so gut wie nicht vorhanden.

1965 hatte ich Gelegenheit, den Stösser im Originalzustand zu fliegen. Das Flugzeug kam aus Mainz und ich flog mit Rudi Matthes in Pferdsfeld. Ich war die Lo100 gewöhnt und mich störte besonders die im Vergleich zur Lo100 recht lahme Rollrate. Mein Eindruck damals war, dass der Stösser in dieser Konfiguration kaum für den Kunstflug geeignet war. (Inzwischen, nach vielen Starts auf so "wendigen" Apparaten wie dem Grob Acro II, würde ich wohl etwas milder urteilen.)

Seit ihrem Erstflug im Jahre 1955 hatte die Ly-542-K verschiedene Kennzeichen und Besitzer. Anfangs flog sie mit dem Kennzeichen D-5440, 1961 war sie als D-0026 in St. Wendel und 1965 als D-7128 in Mainz stationiert. In den 1970ern gehörte sie als D-5500 der IGK (Interessengemeinschaft Kunstflug) von Heinz Clasen und war meistens auf dem Militärflugplatz Nörvenich bei Kerpen stationiert. 1979 flog Axel Widmann auf dem Stösser bei der Deutschen Segelkunstflug-Meisterschaft in Schweinfurt im Nachwuchswettbewerb mit.
Später gehörte der Stösser dann einige Zeit dem LSV Pinneberg bei Hamburg. Damals wurden erhebliche Reparaturen und Änderungen erforderlich, bevor man überhaupt wieder damit fliegen konnte. Unter anderem ersetzte man die Kufe durch ein Zwillingsrad vor dem Schwerpunkt.
Hier zwei Bilder aus jener Zeit vom August 1989:

Fotos © Hans-Jürgen Sählandt

In den Jahren 1995 bis 2000 hat Joachim Beh in Esslingen den Stösser von Grund auf restauriert und umgebaut. Das Ergebnis ist ein praktisch neues Flugzeug.
Alle Beschläge wurden erneuert und eine neue, zweiteilige Kabinenhaube angepasst. Dabei bekam der Stösser auch endlich "richtige" Querruder:
J. Beh verpasste ihm Spaltquerruder à la Swift/Fox. Heraus kam ein "Fox aus Holz". Die Rollrate verbesserte sich auf hervorragende 5s / 360°.

Mit der neuen, ansprechenden Lackierung zeigt sich der Stösser schöner denn je.
Nach dem Umbau war vor allem wegen der neuen Querruder eine Trudelerprobung fällig. Darüber gibt es
hier ein sehenswertes Video.

Seit Ende 2004 gehört der interessante Oldtimer einer Gruppe von Kunstflug-Enthusiasten am Flugplatz Blomberg (EDVF).

Den Beweis für seine guten Kunstflugeigenschaften erbrachte der "neue" Stösser beim "Salzmann Cup" im Mai 2005 in Ziegenhain: Mirko Mattke siegte in der Aufsteigerklasse gegen 11 Konkurrenten auf Swift und Fox. Sein Vereinskollege Stefan Koprek belegte mit dem Stösser Platz 6.

 

Technische Daten

Spannweite 12,9m
Flügelfläche 14,0m2
Flügelprofil Gö 549 mod.
Länge 7,8m
maximale Flugmasse 502kg
Flächenbelastung 35,9kg/m2
Höchstgeschwindigkeit VNE 300km/h
Manövergeschwindigkeit VA 200km/h
beste Gleitzahl 26 bei 88km/h
geringstes Sinken 0,9m/s bei 80km/h

 

Update: M. Echter 04-2008