Segel-Kunstflugzeuge

 

Allstar PZL SZD-59 Acro

 


Foto: Thomas Brückelt

Weiterentwicklung des SZD-48-3 Jantar Standard, konstruiert unter der Leitung von Jan Knapik in den Jahren 1990-91. Der Rumpf des Jantar wurde fast unverändert übernommen. Das T-Leitwerk des Jantar Standard wurde durch ein Kreuzleitwerk mit grösserem Seitenruder und dem Höhenleitwerk der SZD-42-2 ersetzt. Die Aussenflügel sind abnehmbar, womit sich die Spannweite für den Kunstflug auf 13,2 m verkürzen lässt.
Die SZD-59 ist mit 13,2 m Spannweite für +7 / -5g und sämtliche Kunstflugfiguren zugelassen.
Der erste Prototyp wurde bei der Segelkunstflug-Weltmeisterschaft 1991 in Zielona Góra vorgeführt. Bis Mitte 1996 wurden 12 Exemplare hergestellt. Wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs des SZD kam die Produktion 1996 zum Erliegen.

Interessant ist ein Vergleich mit dem etwa zur selben Zeit konzipierten Cirrus-K: Beides sind Modifikationen eines in grosser Stückzahl gebauten Standard-Segelflugzeugs. Beide Flugzeuge weisen ähnliche Flugleistungen auf und sind für die gleichen Belastungen ausgelegt.
Gegenüber dem Cirrus-K hat die SZD-59 Acro aber das für den Kunstflug günstigere Flügelprofil, wodurch sie besonders bei negativen Flugfiguren und im Rückenflug dem Cirrus überlegen ist.
Weiterhin ist die Rollrate der SZD-59 aufgrund der grösseren und wirksameren Querruder deutlich besser.

Für den Streckenflug können maximal 150 Liter Wasserballast mitgenommen werden. Der Umbau von der Akro- in die Streckenflugversion dauert etwa 5 Minuten.

Seit 2004 wird die SZD-59 Acro wieder produziert. Bei einem ausgesprochen attraktiven Preis ist sie derzeit der einzige Vollakro-taugliche Einsitzer aus laufender Produktion auf dem Markt.

Die SZD-59 ist auch für Kunstflug der Kategorie "Elite/Unlimited" voll geeignet. Die hohe aerodynamische Güte ergibt einen merklich geringeren Höhenverlust als z.B. mit dem Fox. Dabei ist die Rollwendigkeit kaum geringer als die des Fox. Gerissene und gestossene Rollen sind nach dem Urteil vieler Piloten einfacher zu fliegen und vor allem leichter wieder "einzufangen" als mit dem Fox. Lediglich die Cockpit-Ergonomie wird vielfach bemängelt. Die vom Jantar übernommene, stark liegende Sitzposition (deutlich flacher als im Swift) ist gewöhnungsbedürftig und die Bedienung des Einziehfahrwerks bereitet kleineren Piloten einige Schwierigkeiten.

Im Wettkampf hat die SZD-59 gegenüber dem Swift ein schwerwiegendes Handicap:
Der Flügel hat eine sichtbare V-Form und einen relativ grossen positiven Einstellwinkel. Daraus resultiert eine deutlich ungünstigere "Optik" als beim Swift.
Da Punktrichter aber auch nur Menschen sind, kommen trotz absolut exakt geflogener Figuren am Ende deutlich schlechtere Wertungen heraus.

Inzwischen fliegen in Deutschland mindestens sechs SZD-59, wovon 3 noch aus der Serie von vor 1996 stammen.
Bei den Deutschen Meisterschaften der letzten Jahre konnten sich Piloten auf SZD-59 recht respektabel platzieren:
So waren z.B. 2008 die SZD-59 Piloten in der Unlimited (Elite) auf den Rängen 4, 10, 13, 14, 15 und 17 von 25 Teilnehmern anzutreffen.

In der Saison 2009 musste ein Grossteil der in Deutschland registrierten SZD-59 repariert werden. Der vom Jantar übernommene zentrale Rumpfspant aus Stahlrohr wies an einigen hochbelasteten Schweissnähten Ermüdungsrisse auf. Dafür mussten die Spanten ausgebaut und in einem aufwändigen und kostspieligen Verfahren neu geschweisst werden.

 

Technische Daten (Akro-Version)

Spannweite 13,2m
Länge 6,85m
Flügelfläche 9,8m2
Flugmasse 380kg
Lastvielfache +7,0 / -5,0
Manövergeschwindigkeit VA 200km/h
Höchstgeschwindigkeit VNE 280Km/h
Gleitzahl 36 bei 115km/h
geringstes Sinken 0,7m/s bei 80km/h

 

Update, M. Echter 03-2010