Segel-Kunstflugzeuge

 

Schröder - Peters Sp 1

 

Anfang der 1950er, vor der Wiederzulassung des Motorflugs in Westdeutschland, bestand ein erhebliches Interesse an kunstflugtauglichen Segelflugzeugen. Viele Piloten, die eigentlich nichts mit dem Segelflug im Sinn hatten, suchten ein Flugzeug auf dem man irgendwie Kunstflug üben konnte. So entstand 1953 auf Initiative des Vereins zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe die Sp 1 als kunstflugtaugliches Übungssegelflugzeug.
Die Konstrukteure Josef Schröder und Heinz Peters hatten wohl ein Flugzeug mit den Leistungen und Eigenschaften eines Baby aber mit der nötigen Festigkeit für "unbeschränkten" Kunstflug im Sinn.

Die Sp 1 war in jeder Hinsicht auf kostengünstige Herstellung ausgelegt. Sie hatte einen einteiligen Flügel von 10 m Spannweite in konventioneller Holzbauweise mit Störklappen auf der Flügeloberseite. Die Holmgurte bestanden aus Buchenschichtholz (TBu 7). Hinter der sperrholzbeplankten Torsionsnase war der Flügel stoffbespannt.
Der Rumpf war ein Stahlrohrgerüst mit Stoffbespannung. Die Höhenflosse war eine Holzkonstruktion mit Sperrholzbeplankung während das Seitenleitwerk und alle Ruder als stoffbespanntes Stahlrohrgerüst aufgebaut waren.
Das Foto zeigt den Prototyp Sp 1 - V. Die späteren Flugzeuge (Sp 1 - 0) hatten ein festes Rad hinter der Kufe und eine andere Form der Cockpithaube.

Als Flügelprofil wählten Schröder und Peters das dicke und relativ stark gewölbte Gö 527. Damit hatte die Sp 1 zwar gewiss gute Langsamflugeigenschaften und ein gutmütiges Überziehverhalten, aber bei höheren Geschwindigkeiten im Kunstflug war die Sinkrate sicherlich enorm. Rudi Matthes, der in den 1960ern zeitweise eine Sp 1 flog, bezeichnete sie mir gegenüber als "Sinkzeug". Entsprechend den damals gültigen Bauvorschriften von 1939 waren als sichere Lastvielfache für den "unbeschränkten" Kunstflug +6 und -3 gefordert.

Es ist nicht mehr festzustellen, wieviele Exemplare von der Sp 1 letztlich gebaut wurden. Auch der Verbleib der Flugzeuge ist ein Rätsel. Ich weiss nur von einem, das der Motorseglerpionier Fridolin Wezel in Reutlingen Ende der 1950er zum Motorsegler umbaute. Diese Sp 1-WM mit selbstgebautem 25 PS Motor bekam sogar 1967 vom LBA die Musterzulassung. Anfang der 1970er muss die Sp 1-WM aber bei einem Unfall zu Bruch gegangen sein. Zehn Jahre später versuchte Axel Widmann in Ludwigshafen diese Sp 1 wieder als Segelflugzeug zu restaurieren. Soweit mir bekannt ist, kam das Projekt aber nicht über den Rohbau hinaus und auch über den Verbleib dieses Flugzeugs habe ich keine Informationen.

Technische Daten

Spannweite 10,00m
Flügelfläche 9,30m²
Flügelprofil Gö 527
Länge 6,0m
Leermasse 145kg
Flugmasse 255kg
Flächenbelastung 27,4kg/m²
Höchstgeschwindigkeit
bei ruhigem Wetter
260km/h
Gleitzahl 22 bei 70km/h
geringstes Sinken 0,90m/s bei 48km/h

Quellen: Kens, Flugzeugtypen, 1958
LBA-Kennblätter Nr. 162 vom 05.05.1960 und Nr. 618/ps vom 06.04.1970

 

M. Echter 09-2011