Segel-Kunstflugzeuge

 

Pilatus PC-11 (B4)

 

 

Es gibt in der Schweiz wohl keine Segelkunstflieger, die den Pilatus PC-11, besser bekannt als B4, nicht kennen. Die wenigsten wissen aber, woher die Bezeichnung B4 stammt. Das B steht für den Konstrukteur Basten aus Koblenz (D), der das Flugzeug Ende der 1960er entworfen hat und einen Prototyp bauen liess. Pilatus übernahm den Entwurf und entwickelte ihn zur Serienreife.

Seit im Frühling 1972 das erste Serienflugzeug HB-1100 seinen Erstflug hatte, wurden mehr als 300 Exemplare gebaut. Der B4 erwies sich dank seiner Robustheit und Wartungsfreundlichkeit sehr schnell als ideales Allroundflugzeug. Auch im Ausland erfreute er sich wachsender Beliebtheit, und so fliegen auch heute noch viele B4 auf nahezu allen Kontinenten. Ein geplanter Lizenzbau in Japan kam nicht in Gang. Pilatus hatte zwar die entsprechenden Lizenzen und Fertigungsunterlagen nach Japan verkauft, es wurden aber nur wenige Exemplare gebaut, bevor die Japaner das Programm wieder einstellten.

Recht bald zeigte sich, dass mit einigen Änderungen und Verstärkungen an der Zelle aus dem B4 ein vollwertiges Kunstflugzeug zu machen war. So entstand zuerst die Version PC-11A, mit der auch Rollen und Rückenflug möglich waren, und wenig später erschien die PC-11AF mit der zusätzlich gerissene und gestossene Figuren geflogen werden konnten.
Während vieler Jahren prägte der B4 das Bild der Segelkunstflug-Schweizermeisterschaften. Es gab Jahre, da flogen alle Teilnehmer von Espoirs bis Elite auf B4. Siehe SAGA-Minichronik

In den letzten Jahren änderte sich das Bild. 1995 flog zum letzten Mal ein B4 in der Elite.
Inzwischen wurde der B4 aber auch in der Promotion zunehmend (und zu Unrecht) vom Fox verdrängt.

Im Vergleich zu den neueren Kunstflug-Seglern sind die Betriebsgrenzen des B4 ziemlich restriktiv. Mit einer VA = 163km/h und einer VNE = 240km/h kommt man besonders in der Senkrechten schnell an die Limits. Das umso mehr, als der B4 auch recht behäbig rollt. So ist z.B. eine Figur mit Viertelrolle senkrecht aufwärts aus 240 km/h kaum fliegbar. Das bedeutet, dass man die heute in der Elite geflogenen Programme auf dem B4 praktisch nicht mehr innerhalb der Betriebsgrenzen fliegen kann.

Für die Promotion (heute "Advanced") ist und bleibt der B4 aber ein voll konkurrenzfähiges Flugzeug. Bei der Schweizermeisterschaft 2005 stellte Dominik Stephani von der SG Oberaargau das unter Beweis und wurde auf seinem B4 bei der ersten Meisterschaftsteilnahme Schweizermeister in der Promotion.

Seit Anfang 2008 ist auch die SAGA im Besitz eines B4.
Der HB-1253 wurde uns von seinem Vorbesitzer, Georges Bott, zu ausgesprochen freundschaftlichen Konditionen überlassen, und ist wie der SAGA-Fox in Schänis stationiert. Das Flugzeug steht allen Piloten der SAGA jederzeit zur Verfügung. Junioren, d.h. PilotInnen unter 25, zahlen für den B4 übrigens keine Fluggebühr.
(siehe SAGA-Tarifliste 08)

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Der SAGA-B4 im März 2009 beim BFK 4 in Locarno
Foto © Werner Finck

 

Technische Daten

Spannweite 15m
Länge 6,57m
Flügelfläche 14,05m2
Profil NACA 643 - 618
Leermasse 240kg
Flugmasse 350kg
Lastvielfache +7/-4,7
Manövergeschwindigkeit VA 163km/h
Höchstgeschwindigkeit VNE 240km/h
Mindestgeschwindigkeit VS 60km/h
beste Gleitzahl 35 bei 85km/h
geringstes Sinken 0,64m/s bei 75km/h

 

update M. Echter 05-2009