
Segel-Kunstflugzeuge
Mü28
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| In der Flugerprobung mit Ballast am Rumpfheck | Mit vergrössertem Seitenruder (Mai 2005) |
Die Mü28 entstand Ende der 1970er Jahre aus den Erfahrungen der
ersten Segelkunstflugwettbewerbe mit der Lo100.
Da die Lo100 aufgrund ihres Flügelprofils ziemlich schlechte Leistungen im
Rückenflug hat, entschied man sich bei die Mü28 für ein
symmetrisches Wortmann-Profil von 15% Dicke, das ursprünglich
als Leitwerksprofil gedacht war.
Eine Besonderheit der Mü28 und ein technischer Leckerbissen sind
die automatischen Wölbklappen. Das System ist erstaunlich
einfach und verleiht der Mü28 die Fähigkeit, unglaublich enge
Loop-Bögen sowohl positiv als auch negativ mit verblüffend
niedriger Geschwindigkeit zu fliegen.
Der Rumpf wurde einfachheitshalber in einer Mosquito-Rumpfform
gebaut. Cockpit, Haube, Steuerung und Fahrwerk wurden ebenfalls
weitgehend von der Glasflügel Mosquito übernommen.
Das Höhenleitwerk stammt vom Doppelsitzer Scheibe SF 34, wurde
aber entsprechend verstärkt.
Da man aus Sicherheitsgründen eine hohe VNE
anstrebte, musste die Mü28 in der Flugerprobung bis zu einer
Geschwindigkeit von
400 km/h (IAS) geflogen werden. In der Höhe ergibt das eine TAS
von ca. 480km/h und eine Machzahl = 0,4!
Damit dürfte die Mü28 eines der schnellsten Segelflugzeuge
überhaupt sein.
In der Praxis hat die geltende VNE = 380km/h keine
Bedeutung. Man muss ohnehin mindestens 700m Höhe
"verheizen", bevor diese Speed anliegt.
Festigkeitsmässig war man beim Entwurf der Mü28 ebenfalls nicht geizig. Bei der Manövergeschwindigkeit VA = 207km/h sind die sicheren Lastvielfache +/- 10, Werte, wie sie sonst nur im Motorkunstflug üblich sind.
Im Wettbewerbskunstflug erfüllte die Mü28 nur zum Teil die hochgesteckten
Erwartungen. Nur wirkliche Spitzenpiloten konnten damit gute Platzierungen
erreichen. Die besten Ergebnisse erzielte Martin Scheuermann mit einem 6. Rang
bei der Weltmeisterschaft 1991 und dem Vize-Meistertitel bei der Deutschen
Meisterschaft 1994.
Da anfangs die Seitenruderwirkung ungenügend war, musste das Seitenruder
erheblich vergrössert werden.
Nach wie vor problematisch ist das Verhalten bei abgerissener Strömung. Das
Profil hat anscheinend keinen klar definierten Abreisspunkt. Das hat zur Folge,
dass gerissene und gestossene Rollen, aber auch Vrillen nur schwer exakt ein-
und wieder auszuleiten sind.
Mehr Informationen: Homepage der Akaflieg der TU München
Technische Daten
| Spannweite | 12,0m |
| Länge | 6,75m |
| Flügelfläche | 13,2m² |
| Profil | Wortmann FX 71-L-150/20 |
| Rüstmasse | 315kg |
| max. Zuladung | 110kg |
| Flächenbelastung | 32.2daN/m² |
| Manövergeschwindigkeit VA | 207km/h |
| Höchstgeschwindigkeit VNE | 380km/h |
| sichere Lastvielfache | +/-10,0 |
| Rollzeit für 360° | 4,2sec. |
| Mindestgeschwindigkeit VS | 67km/h |
| beste Gleitzahl | 27 bei 103km/h |
| geringstes Sinken | 1,0m/s bei 89km/h |
M. Echter 05-2005