
Segel-Kunstflugzeuge
MDM-1 Fox
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Der Fox ist bislang das einzige Segelflugzeug, mit dem das ganze Spektrum an
Kunstflugfiguren auch doppelsitzig geflogen werden kann.
Entworfen wurde er vom Konstrukteur des Swift, Ing. Edward Marganski. (Das Kürzel MDM steht für
die Produktionsgesellschaft Marganski - Dunowski - Makula).
Noch während der Arbeiten am Swift entstand das Konzept eines Doppelsitzers, der die Auslegung
des Swift übernehmen und möglichst die gleichen Eigenschaften aufweisen sollte.
Die Projektarbeiten begannen bereits 1990 und der Erstflug fand am 9.Juli 1993 statt. Jerzy "Jurek" Makula
erflog im Monat darauf mit dem Fox-Prototyp seine fünfte Weltmeisterschaft in Venlo, NL.
Die Flächen des Prototyps hatten noch weitgehend den gleichen Innenaufbau wie die des Swift. Daher war die Höchstgeschwindigkeit auf 250km/h begrenzt und die Lastvielfache, auch einsitzig, auf +7/-5. Das Cockpit des Prototypen war wohl auf die Statur von Jurek Makula zugeschnitten. Jedenfalls passte ein etwas grösser gewachsener Westeuropäer mit dem besten Willen nicht hinein, schon gar nicht in den Rücksitz. Deshalb bekam die Serienversion des Fox verstärkte Flächen und ein verlängertes Rumpfvorderteil mit erheblich vergrössertem Cockpit.
In der Kunstflugausbildung erwies sich bald der enorme Wert dieses Flugzeugs. Auch schwierige
Unlimited-Figuren können mit dem Fox problemlos am Doppelsteuer erlernt und geübt werden.
Dabei zeigte sich aber auch, dass der Fox kein Anfängerflugzeug ist. Das im Vergleich zu
"normalen" Segelflugzeugen "giftige" Überziehverhalten führte zu einigen tödlichen Unfällen.
Wie es sich für ein Kunstflugzeug gehört, kann man mit dem Fox bei nahezu jeder Geschwindigkeit durch einen
harten Höhenruderausschlag einen Strömungsabriss herbeiführen. Bei der Flächenbelastung des Fox wird aber
einiges an Höhe verbraucht, bis die Strömung wieder anliegt. Geschieht das in zu geringer Höhe, liegt das
Resultat leider auf der Hand...
Wird beim Reissen das Höhenruder versehentlich voll durchgezogen, nimmt der Fox einen extremen Anstellwinkel
ein und ist erst nach mehreren Umdrehungen wieder "einzufangen". Das sieht zwar spektakulär aus,
aber der Höhenverlust dabei ist enorm. Deshalb dürfen gerissene Rollen im Fox generell nur mit ausreichender
Sicherheitshöhe geflogen werden.
Die SAGA verlangt für Alleinflüge auf den Fox eine mindest-Flugerfahrung von 150 Segelflugstunden sowie eine
umfassende Einweisung in Grenzflugzustände.
Im Wettbewerb hat der Fox gegen den Swift einen schweren Stand.
Der Doppelsitzer ist durch seine schlechtere Aerodynamik (kein Einziehfahrwerk) und die langsamere Rollrate
benachteiligt. Besonders bei Kürprogrammen macht sich der grössere Höhenverbrauch bemerkbar. Daneben spielt
die ungünstigere "Optik" des Flugzeugs bei den Punktrichtern eine ganz entscheidende Rolle: In der Seitenansicht
ist die Rumpflängsachse des Fox gegenüber der Nullauftriebsachse um einige Grad nach unten geneigt. Das hat zur
Folge, dass vor allem senkrechte Linien aufwärts als zu flach und abwärts als "übersenkrecht" erscheinen, was
die Punktrichter zwar gemäss Reglement berücksichtigen sollten, aber meistens dennoch mit schmerzhaften Abzügen
bei den Figurennoten bestrafen.
Bei der Weltmeisterschaft 2009 traten letztmals noch zwei "normale" Föxe in der Unlimited an. Trotzdem schaffte
es der Deutsche Eugen Schaal mit seinem Fox auf den fünften Rang der Gesamtwertung. Hier gab aber das überragende
Können und nicht die Qualitäten des Fox den Ausschlag. Bei der Weltmeisterschaft 2011 war der Fox endgültig aus
der Unlimited verschwunden. Auch Eugen Schaal war auf einen Swift umgestiegen.
In der Advanced sieht es derzeit noch etwas anders aus. Bei der Weltmeisterschaft 2011 belegten zwar Swift-Piloten
die Medaillenränge, aber unter den Top 10 waren immerhin noch 5 Föxe.
Um zumindest die Aerodynamik zu verbessern, wurde 2001/02 der Fox-Prototyp zum Einsitzer umgebaut.
Den Platz des hinteren Pilotensitzes nimmt das Einziehfahrwerk ein. Der "Solo-Fox" ist zwar in den
Gleitflugleistungen dem Doppelsitzer klar überlegen, behält aber prinzipiell die anderen Handicaps. Zu einem
Serienbau des Solo-Fox kam es damals mangels Nachfrage nicht.
2011 gewann Makula mit dem Solo-Fox seine siebte Weltmeisterschaft in Torun, PL.
![]() Der erste und bislang einzige Solo-Fox (2002) |
![]() Rekordweltmeister Jerzy "Jurek" Makula |
Einen völlig anderen Weg zur Verbesserung des Fox beschritt Dietmar Poll:
Er verlängerte den Rumpf und baute das Einziehfahrwerk einer DG-500 ein. Da das Hauptrad hinter
dem Schwerpunkt liegt, braucht der "Pinocchio" dann auch ein kleines Bugrad wie die DG-500.
Durch den Umbau erhöhte sich die Leermasse um etwa 20kg. Der Pinocchio ist als "Experimental"
bei einer maximalen Flugmasse von 555kg mit weitgehend den selben Betriebsgrenzen wie der
"normale" Fox zugelassen. Nach Ansicht seines Konstrukteurs entsprechen die Flugleistungen des
Pinocchio in etwa denen des Solo-Fox, wobei die Gleitflugpolare im oberen Geschwindigkeitsbereich
aufgrund der höheren Flächenbelastung bestimmt besser ist.
Der Pinocchio wird wohl ein Einzelstück bleiben. Eine Musterzulassung dieses Umbaus ist aus
Kostengründen jedenfalls nicht vorgesehen.

"Pinocchio" und "Normalfox" zum Vergleich
Im Gegensatz zu 2002 als Marganski den Solo-Fox anbot, gibt es inzwischen einen wachsenden Bedarf
für einen neuen Hochleistungs-Kunstflug-Einsitzer, den z.B. der
SZD-59 Acro nicht abdeckt. Der Swift kommt in die Jahre und eine Neuauflage ist praktisch nicht
möglich.
Als Lösung bietet sich an, einen neuen Einsitzer auf der Basis des Fox zu entwickeln. Ein solches
Projekt wäre jedenfalls sehr viel realistischer als eine totale Neukonstruktion. Flächen und
Höhenleitwerk des Fox kann man unverändert übernehmen und damit entfielen die Kosten für neue
Festigkeitsnachweise und neue Formen. Auch die Flugerprobung wäre weitaus weniger aufwändig.
Der Fox-Rumpf ist aber unnötig gross und auch zu schwer für einen Einsitzer. Hier könnte, aufbauend
auf den Erfahrungen mit dem Swift, mit erträglichem Kostenaufwand ein neuer Rumpf entwickelt werden.
Aerodynamisch wäre das zwar der vierte Aufguss des inzwischen 50 Jahre alten
Kobuz-Konzepts, aber allemal besser als gar nichts.
Leider sind diese Überlegungen im Moment reine Utopie. Marganski hat sich altershalber weitgehend
aus seiner Firma zurückgezogen und die neuen Manager liessen auf Anfrage verlauten, dass sie sich
auf absehbare Zeit voll auf die Zertifizierung und Serienvorbereitung des von Marganski entworfenen
"Orka" Pusher-Twin konzentrieren wollen und die Neuentwicklung eines Kunstflugeinsitzers für sie
kein Thema sei.
Technische Daten
| Spannweite | 14,00m |
| Länge | 7,38m |
| Höhe (in Fluglage) | 2,25m |
| Flügelfläche | 12,34m² |
| Flügelprofil | NACA 641-412 |
| Maximale Leermasse | 361kg |
| Maximale Flugmasse | 530kg |
| beste Gleitzahl | 29 bei 130km/h |
| sichere Lastvielfache | +7 / -5 |
| im Soloflug mit max. 450kg Flugmasse | +9 / -6 |
| Höchstgeschwindigkeit VNE | 282km/h |
| Manövergeschwindigkeit VA | 214 km/h |
| Mindestgeschwindigkeit Vs | 84 km/h |
| im Soloflug mit 450kg Flugmasse | 78km/h |
Update, M. Echter 12-2011