Segel-Kunstflugzeuge

 

MDM-1 Fox

 

Der Fox ist bislang das einzige Segelflugzeug, mit dem das ganze Spektrum an Kunstflugfiguren auch doppelsitzig geflogen werden kann.
Entworfen wurde er vom Konstrukteur des Swift, Ing. Edward Marganski. (Das Kürzel MDM steht für die Produktionsgesellschaft Marganski - Dunowski - Makula).
Noch während der Arbeiten am Swift entstand das Konzept eines Doppelsitzers, der die Auslegung des Swift übernehmen und möglichst die gleichen Eigenschaften aufweisen sollte. Die Projektarbeiten begannen bereits 1990 und der Erstflug fand am 9.Juli 1993 statt. Jerzy Makula erflog noch im selben Jahr mit dem Fox-Prototyp seine fünfte Weltmeisterschaft in Venlo, NL.
Die Produktion des Fox lief im Sommer 2005 vorerst aus, da der Markt für ein derartiges Flugzeug anscheinend gesättigt war. Der letzte von Marganski produzierte Fox fliegt heute auf dem Hornberg in Baden-Württemberg. Inzwischen (Stand Ende 2009) steht fest, dass E. Marganski keine "Föxe" mehr bauen wird.
Laut J. Makula ist es aber gelungen, einen anderen Hersteller in Polen zu finden, der die Formen von Marganski übernimmt und bei entsprechender Nachfrage eine neue Kleinserie auflegen wird.

In der Kunstflugausbildung erwies sich bald der enorme Wert dieses Flugzeugs. Auch schwierige Elite-Figuren können mit dem Fox problemlos am Doppelsteuer erlernt und geübt werden.
Dabei zeigte sich aber auch, dass der Fox kein Anfängerflugzeug ist. Das im Vergleich zu anderen Segelflugzeugen "giftige" Überziehverhalten führte bislang zu mindestens drei tödlichen Unfällen. Um die Flugeigenschaften etwas zu entschärfen, bekamen die späteren Serienflugzeuge eine geringfügig stärker gerundete Flügelnase.
Trotzdem kann der Fox bei nahezu jeder Geschwindigkeit in einen "High-Speed-Stall" gebracht werden. Da die "Recovery" einiges an Höhe verbraucht, ist es lebenswichtig, in niedriger Flughöhe mit dem Fox sanft umzugehen.
Die SAGA verlangt für Alleinflüge auf den Fox eine mindest-Flugerfahrung von 150 Segelflugstunden sowie eine umfassende Einweisung in Grenzflugzustände.

Im Wettbewerb hat der Fox jedoch gegen den Swift einen schweren Stand.
Der Doppelsitzer ist durch seine schlechtere Aerodynamik (kein Einziehfahrwerk) und die langsamere Rollrate benachteiligt. Besonders bei Kürprogrammen macht sich der grössere Höhenverbrauch bemerkbar. Daneben spielt die ungünstigere "Optik" des Flugzeugs bei den Punktrichtern eine ganz entscheidende Rolle:
Da beim Fox in der Seitenansicht der untere Rand des Kabinendachs eine auffallende, gegenüber der Längsachse um ca. 10° geneigte Linie bildet, erscheinen senkrechte Linien aufwärts als zu flach und solche abwärts als "übersenkrecht", was die Punktrichter regelmässig mit deftigen Abzügen bei den Figurennoten belegen.
Bei der Weltmeisterschaft 2009 traten dann auch nur noch zwei "normale" Föxe an. Trotzdem schaffte es der Deutsche Eugen Schaal mit seinem Fox auf den fünften Rang der Gesamtwertung. Hier gab aber das überragende fliegerische Können und nicht die besonderen Qualitäten des Fox den Ausschlag.

Um zumindest die Aerodynamik zu verbessern, wurde 2001/02 der Fox-Prototyp zum Einsitzer mit Einziehfahrwerk umgebaut. Der "Solo-Fox" ist zwar in den Gleitflugleistungen dem Doppelsitzer klar überlegen, behält aber prinzipiell die anderen Handicaps.
Zu einem - ursprünglich geplanten - Serienbau des Solo-Fox kam es mangels Nachfrage nicht.

Prototyp des Solo-Fox (2002)

Rekordweltmeister Jerzy "Jurek" Makula
im Cockpit des Solo-Fox (2002)

 

Einen anderen Weg zur Verbesserung des Fox beschritt Dietmar Poll:
Er verlängerte den Rumpf, um hinter dem Schwerpunkt das Einziehfahrwerk einer DG 500 einzubauen. Der so entstandene "Longfox" braucht dann natürlich auch ein kleines Bugrad wie die DG 500.
Durch die Modifikation erhöhte sich die Leermasse um etwa 20kg. Der Longfox ist als "Experimental" mit einer maximalen Flugmasse von 555kg nur noch für +6,5g und -4,7g zugelassen, womit zwar eine Zuladung von 174,5kg möglich ist, aber der Einsatz im "Unlimited" Wettbewerb ausscheidet.



Longfox und "Normalfox" zum Vergleich

 

Technische Daten

Spannweite 14,00m
Länge 7,38m
Höhe (in Fluglage) 2,25m
Flügelfläche 12,34m2
Flügelprofil NACA 641-412
Maximale Leermasse 361kg
Maximale Flugmasse 530kg
beste Gleitzahl 29 bei 130km/h
sichere Lastvielfache +7 / -5
im Soloflug mit max. 450kg Flugmasse +9 / -6
Höchstgeschwindigkeit VNE 282km/h
Manövergeschwindigkeit VA 214 km/h
Mindestgeschwindigkeit VS 84 km/h
im Soloflug mit 450kg Flugmasse 78km/h

 

Update, M. Echter 01-2010