Segel-Kunstflugzeuge

 

LET LF-107 Lunák

Der Tschechische Lunák ("Lunjak" ausgesprochen) ist ein Zeitgenosse der Schweizer WLM 1 und weist ganz erstaunliche Ähnlichkeiten mit der WLM 1 auf. Das Flugzeug wurde wie die WLM 1 für das Training von angehenden Militärpiloten konzipiert. Daher das geräumige Cockpit und die "Fighter"-gemässe Schiebehaube.
Die Gesamtauslegung des Lunák mit Hauptaugenmerk auf die Kunstflugtauglichkeit, die Abmessungen und Gewichte, der relativ dünne Flügel mit Spalt-Wölbklappen und überlagerten Spalt-Querrudern stimmen fast durchweg mit der WLM 1 überein. Selbst das verwendete NACA-Flügelprofil ist nahezu das gleiche.
Ironischerweise soll Ende der 1940er sogar das Schweizer Militär geprüft haben, ob eine Beschaffung von Lunáks aus der CSSR evtl. kostengünstiger wäre als ein Serienbau der WLM 1 in der Schweiz. Schliesslich kam weder das eine noch das andere jemals zustande.
Der Lunák ist eine Holzkonstruktion mit Beschlägen aus Leichtmetall. Mit Ausnahme der Ruder und Wölbklappen ist das Flugzeug vollständig sperrholzbeplankt.
Die Höchstgeschwindigkeit war ursprünglich mit 550km/h angegegeben, ist aber heute generell auf 220km/h begrenzt.

In den Jahren 1948-1951 wurde der Lunák in der damaligen Tschechoslowakei inklusive der Prototypen in rund 90 Exemplaren gefertigt.

Insgesamt sollen noch mindestens zehn Lunák vorhanden sein. Davon sind in Westeuropa derzeit 8 registriert und zugelassen.
Zwei
Lunák gibt es in Deutschland: Einer ist auf dem Flugplatz Rossfeld bei Reutlingen beheimatet. Er wurde von einer Gruppe Oldtimer-Enthusiasten liebevoll bis ins Detail restauriert und wird auch noch regelmässig im Kunstflug bewegt.
Der zweite Lunák gehört Wolfgang Seitz und ist inzwischen auch wieder in flugfähigem Zustand.

Die Lunáks ausserhalb Tschechiens fliegen mit einem Lufttüchtigkeitszeugnis der British Gliding Association, da es keine JAA/EASA-Zulassung für das Flugzeug gibt.

Dass man mit einem fast 60 Jahre alten Kunstflugsegler auch heute noch bei einer Meisterschaft ganz vorne mithalten kann, bewies 2008 der Brite Graham Saw. Er belegte mit seinem Lunák bei den international ausgeschriebenen Deutschen Meisterschaften in der Aufsteigerklasse (heute "Advanced") den vierten Rang mit nur hauchdünnem Abstand auf den 3. Sieger. Und das bei einem Teilnehmerfeld von 25 Piloten und 6 geflogenen Programmen.

Technische Daten

Spannweite 14,27 m
Flügelprofil NACA 23012
Flügelfläche 13,38 m2
Länge 6,78m
Leermasse 205kg
Flugmasse 310kg
Flächenbelastung 23,2kg/m2
Höchstgeschwindigkeit VNE 220km/h
Gleitzahl 24 bei 80km/h
geringstes Sinken 0.85m/s bei 65km/h

 

Update, M. Echter 04-2009