
Segel-Kunstflugzeuge
SZD-21-2b Kobuz 3 (Lerchenfalke)


Dieser polnische Kunstflugsegler war das
Endprodukt einer langen Entwicklungsreihe, die schon 1958 begann.
Der erste Prototyp SZD-21 Kobuz 1 flog im Sommer 1961. Da die
Flugeigenschaften enttäuschten, wurde das Flugzeug weitgehend
umgebaut und flog als SZD-21-2 Kobuz 2 im Frühjahr 1962. Auch
bei dieser Version waren die Flugeigenschaften noch nicht
befriedigend. Der Kobuz 2 stürzte im April 1963 bei der
Flattererprobung ab, wobei der Pilot getötet wurde.
Die endgültige Version SZD-21-2b Kobuz 3 kam 1964 heraus und
wurde danach in einer kleinen Serie gebaut.
Der Kobuz war komplett in Holzbauweise erstellt. Während der Rumpf konventionell aufgebaut war, bestanden die Flächen aus einer Schalenkonstruktion mit dicker Sperrholzhaut und kurzen Holmstummeln. Diese Flügelschale war sehr steif. Auch bei starken Abfangmanövern bog sich der Flügel kaum durch; vielmehr vergrösserte sich die V-Form. Das lässt darauf schliessen, dass sich das Mittelstück mit den Holmstummeln und der Flügel-Rumpf-Verbindung verformte. Genau dieser Bereich erwies sich dann aber als die Achillesferse des Kobuz.
Die lange und mühsame Entwicklung des Kobuz hatte sich gelohnt.
Die Erfahrungen, welche die polnischen Konstrukteure dabei
sammelten, sind der Hauptgrund, warum seit Jahrzehnten nur die
Polen wirklich erstklassige Segel-Kunstflugzeuge bauen.
Seine hervorragenden Kunstflugeigenschaften machten den Kobuz 3
jedenfalls zum unbestritten besten Kunstflugsegler seiner Zeit.
Von diesem Flugzeug geht eine direkte Entwicklungslinie zu den
heute so erfolgreichen Mustern Swift und
Fox.
Jähes Ende einer Weltmeisterschaft
(Quelle Eric Müller, "Upside down")
...In der zweiten Bekannten Pflicht bei den
Weltmeisterschaften 1989 in Hockenheim flog der Pole Krzysztof
Wyskiel auf der Kobuz 3 ein fast perfektes Programm. Der
Spitzenpilot war bei der vorletzten Figur, einem Turn,
angekommen. Mit beängstigendem Ziehen leitete er die Figur aus.
Plötzlich ein Knall die Flügel des Kobuz 3 klappten zusammen,
wie ein Pfeil schoss der Rumpf senkrecht nach unten. Mit
fürchterlicher Geschwindigkeit schlug das Cockpit wenige Meter
neben dem Flugplatz in ein Maisfeld ein. Einige Sekunden später
flatterten auch die Reste der Tragfläche im Umkreis von einigen
hundert Metern zu Boden. Beim Sturz aus 300 Metern Höhe hatte
der Pilot keine Chance mehr. Der 32jährige war sofort tot.
Seinen Rettungsfallschirm trug er noch, als er aus dem völlig
zerstörten Cockpit seiner Kobuz 3 geborgen wurde. Bei einer so
niedrigen Höhe hatte der Pilot keine Chance mehr, den Schirm zu
ziehen.
Mitglieder der deutschen Weltmeisterschaftsdelegation
berichteten, nachdem sie das Wrack näher besichtigt hatten: »Am
Rumpf in Höhe der Flügelwurzel gab es in der Nähe der
Bruchstelle durchfeuchtete Holzteile. Vermutlich hatte sich hier
Kondenswasser über längere Zeit angesammelt. Es hatte das Holz
durchweicht. Hier könnte die Ursache des fürchterlichen
Absturzes gelegen haben.«
Die Weltmeisterschaft wurde nach diesem Unfall unterbrochen, und
zwei Tage später beschloss man, sie endgültig zu beenden. Es
wurde zwar noch ein Wettbewerb weitergeflogen, jedoch nur noch
als internationaler Vergleich. Die drei restlichen Kobuz 3 wurden
am Boden gelassen, die drei weiteren polnischen Piloten
überwanden den Schock und flogen den internationalen Wettbewerb
auf der deutschen Mü28 mit. Zumindest die Holzkonstruktion des Kobuz
3 dürfte nach diesem Unfall in Hockenheim international wohl
nicht mehr auf Wettbewerben auftauchen. Schon im Vorfeld der
Weltmeisterschaft hatte Jerzy Makula, der Weltmeister,
berichtet: »Vor zwei Jahren ist meinem Freund und
Vizeweltmeister Andrzej Tomkowicz eine Tragfläche abgerissen.
Allerdings hat er das Flugzeug mit 11 g belastet. Der Kobuz hält
aber nur plus 7 und minus 5 g aus.« So ganz einig waren sich die
Polen also nie bei der Angabe der Belastungshöchstgrenzen des
Kobuz 3. Der Unfall in Hockenheim war kein Einzelfall. Sollte
also bei kommenden Meisterschaften wieder ein Kobuz polnische
Piloten auf die ersten Plätze tragen, dann mit Sicherheit nicht
ein Kobuz 3. Wird der Nachfolger die Kunststoff Konstruktion
sein?
Anmerkungen eines Augenzeugen des Unfalls vom August 1989:
Ludwig Fuss und ich standen knapp 300m von der Absturzstelle am Rand der Box. Wir hatten den Eindruck, Krzystof hätte die Senkrechte nach dem Turn etwas länger als nötig stehen gelassen. Der Abfangbogen erschien uns aber nicht besonders hart. (Die Analyse der Videoaufnahmen ergab eine Belastung von ca. 5,5g bei 220km/h)
Ergänzend zu Eric Müllers Anmerkung kann ich
sagen, die Polen wussten zwar, was die Belastungsgrenzen waren, aber sie
nahmen es meistens nicht so besonders genau damit.
Ich selbst habe mehrere Flüge mit dem Kobuz gemacht und habe mir
auch die Originalseite mit dem V/n-Diagramm aus dem Flughandbuch
kopiert. (siehe unten)
Erstaunlicherweise hatte der Unfall von A. Tomkowicz 1987, der sich mit dem
Fallschirm retten konnte und unverletzt blieb, anscheinend keine Konsequenzen.
Mir ist zumindest nicht bekannt, dass die Polen danach die Lufttüchtigkeit der
verbliebenen Flugzeuge überprüft hätten. Der fatale Glaube an die
"Unzerstörbarkeit" des Kobuz war wohl stärker.
Die Ursachen des Strukturversagens waren
sowohl vorhergegangene Überlastungen als auch Bau- und
Wartungsfehler. Den Piloten trifft bestimmt keine Schuld!
Die Unfalluntersuchung durch die deutschen Behörden brachte eine
Reihe von Vorschädigungen zu Tage, die früher oder später zum
Bruch führen mussten. Der Flügel brach wahrscheinlich, weil die Verbindung
zwischen Holmstummel und Hauptbeschlag versagte. Es wird
angenommen, dass sich durch frühere Überlastung die Vernietung
des Hauptbeschlags gelockert hatte. Weiterhin war beim Bau ein
Kaurit-ähnlicher Leim verwendet worden, dessen Härter durch
überschüssige Säure die Holzstruktur im Bereich der
Leimstellen zerfressen hatte.
Nach dem Unfall von Hockenheim entzogen
die polnischen Behörden allen verbliebenen Kobuz 3 die
Lufttüchtigkeit.
Inzwischen fliegen in Polen wieder zwei Kobuz, die von
Oldtimer-Enthusiasten wiederhergestellt wurden. Diese Flugzeuge
sind aber nicht mehr für den Kunstflug zugelassen und haben
weitgehend eingeschränkte Betriebsgrenzen.
M. Echter
Technische Daten
| Spannweite | 14,00m |
| Länge | 7,22m |
| Flügelfläche | 13,50m² |
| Profil | NACA 641 -412 |
| max. Flugmasse | 445kg |
| sichere Lastvielfache | +7,0/-5,0 |
| Manövergeschwindigkeit VA | 188km/h |
| Höchstgeschwindigkeit VNE | 350km/h |
| Mindestgeschwindigkeit VS | 78km/h |
| Gleitzahl | 27,8 bei 97,2km/h |
| geringstes Sinken | 0,99m/s bei 86,5km/h |
hier das original V/n-Diagramm aus dem Flughandbuch des Kobuz 3:

Update: M. Echter 02-2008