Segel-Kunstflugzeuge

 

Ahrens Delphin

 

Der Ende der 1950er entstandene Delphin von Atze Ahrens aus Krefeld hat nichts zu tun mit dem gleichnamigen Flugzeug von Fritz Mahrer aus Basel, welches ein Fowler-Klappen-Flugzeug auf der Basis der Elfe ist.

Ahrens baute zwischen 1953 und 1955 die beiden Lüty-Flugzeuge Ly-532 und Ly-542 Stösser, die mit dem Delphin das Profil Gö 549 und die Grenzschichtabsaugung im Bereich der Querruder gemeinsam hatten.

Der in nur zwei Exemplaren gebaute Delphin war gemäss LBA-Kennblatt als Übungs- und Kunstflugsegelflugzeug entworfen. Im Gegensatz zum Stösser wählte Ahrens für den Delphin eine relativ niedrige Flächenbelastung. Das ganze Flugzeug ist in konventioneller Holzbauweise erstellt. Der Trapezflügel ist, anders als beim Stösser bei dem die Oberseite voll beplankt ist, ab dem Holm stoffbespannt und hat DFS-Bremsklappen aus Metall. Der Rumpf ist eine ovale Holz-Schale und hat ein festes Rad mit einer Kufe davor. Das Kreuzleitwerk aus Holz ist ebenfalls konventionell aufgebaut.
Die Querruder sind aus Metall und relativ lang bei einer Tiefe von nur 10 Zentimetern. Dafür ist der QR-Ausschlag mit 60° nach oben und unten ausgesprochen gross. Man versprach sich von der "passiven Grenzschichtabsaugung", wobei die turbulente Luft aus dem Querruderspalt mit Hilfe des Unterdrucks an der Flügelspitze abgesaugt werden soll, eine gute Querruderwirkung trotz der geringen Tiefe der Querruder. Aber wie schon vorher beim Stösser war das Resultat enttäuschend. Die Rollrate des Delphin lag mit 30 Grad pro Sekunde, d.h. 12 Sekunden für 360 Grad, im Bereich der heutigen Schulungsdoppelsitzer.

Der erste Delphin (V1) wurde bei Ahrens Sportflugzeugbau gebaut. Das zweite Exemplar (Delphin A) entstand im Eigenbau. Er unterschied sich vom Delphin V1 durch eine etwas grössere Höchstgeschwindigkeit und eine um 10 kg höhere Zuladung. Als Kunstflugzeug waren die beiden Delphine nach den Bauvorschriften von 1939 (BVS) in der Beanspruchungsgruppe 3 zugelassen. Das heisst die sicheren Lastvielfache waren +6 und -3.

Die beiden Exemplare des Delphin trugen die Kennzeichen D-5600 und D-5150. Sie flogen erstmals am 03.10.1959 bzw. 22.11.1961.
Während der Delphin A angeblich nach GB verkauft wurde, ist 2007 der Delphin V1 im Saarland wieder aufgetaucht.
Das Flugzeug war seit mindestens 1994 nicht mehr zugelassen. Eine Gruppe von Oldtimer-Enthusiasten aus der Nähe von Stuttgart ist dabei, ihn im ursprünglichen Zustand, d.h. mit den mini-Querrudern, zu restaurieren.

 

Technische Daten
(Delphin A; Beanspruchungsgruppe 3 BVS)

Spannweite 13,00 m
Flügelfläche 16,9 m²
Flügelprofil Gö 549 mod.
Länge 7,7 m
Rüstmasse 265 kg
Flugmasse 375 kg
Höchstgeschwindigkeit
(ruh. Wetter)
250 km/h
beste Gleitzahl 28 bei 75 km/h
geringstes Sinken 0,70 m/s bei 60 km/h

Quelle: LBA-Kennblatt L-215 vom 13.01.1964

 

Update: M. Echter 01-2012