
Segel-Kunstflugzeuge
DFS Habicht
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Der 1936 von Hans Jacobs bei der
Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug in Darmstadt
entworfene Habicht war das erste speziell für den Kunstflug
konzipierte Segelflugzeug. Jacobs, der wohl erfolgreichste Segelflugzeug-Konstrukteur
der 1930er, stützte sich beim Entwurf des Habicht auf seinen bewährten Leistungssegler
"Rhönsperber" ab. Selbstverständlich bekam der Habicht auch den damals üblichen Knickflügel,
obwohl der für den Kunstflug keine Vorteile bringt. Nach den damaligen Bauvorschriften
für Kunstflugzeuge musste die Höchstgeschwindigkeit bis zum "Endstaudruck",
das heisst Stirnwiderstand bei Nullauftrieb = Fluggewicht, nachgewiesen werden. Während der
Erprobung wurde der Habicht dann auch bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 450 km/h geflogen.
Die Forderungen an die sicheren Lastvielfache waren dagegen nach heutigem Massstab eher
bescheiden: + 6,0 / - 3,0 aber mit einem Sicherheitsfaktor 2 (heute 1,5).
Im Krieg wurden Versionen des Habicht mit 8 m und 6 m Spannweite, der sogenannte
"Stummel-Habicht", zum Training zukünftiger Piloten des raketengetriebenen
Abfangjägers Me 163 eingesetzt.

Bis zum Erscheinen der Lo 100 (1952) blieb der Habicht das einzige voll kunstflugtaugliche deutsche Segelflugzeug.
Während und nach dem Krieg entstanden in Osteuropa verschiedene Habicht-Kopien, so in Ungarn von Ernö Rubik 1944 die R-17 "Móka" und in Jugoslawien 1957 die "Macka". Auch der polnische IS 4 "Jastrzab" (Habicht) von 1949 erbte von seinem deutschen Namensvetter zumindest den Knickflügel.
Da kein original-Habicht die Kriegs- und
Nachkriegszeit in flugfähigem Zustand überlebt hatte,
entschloss sich der Oldtimer-Segelflugclub Wasserkuppe eine
originalgetreue Replik zu bauen. Der OSC benötigte 5 Jahre - von
1982 bis 1987 - um dieses einzigartige Flugzeug unter der Leitung
von Josef "Seppel" Kurz zu erstellen. Die Suche nach den
original-Bauunterlagen gestaltete sich als kriminalistisches Puzzle.
Die Komplettierung der Zeichnungen und Berechnungsunterlagen zog
sich durch die gesamte Bauzeit. Nach 3.600 Baustunden konnte am 20. Juni 1987
Seppel Kurz zum Erstflug starten.
Von 1998 bis 2005 war der D-8002 im Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe ausgestellt.
2006/2007 wurde er überholt und ist seit Mai 2007 wieder auf Flugtagen und bei
Oldtimer Rallyes zu sehen.
In meinem Flugbuch gibt es einen
Habicht-Flug: Im August 1989, am Rande der Weltmeisterschaft in Hockenheim
gestattete mir Seppel Kurz einen Flug.
Es war Nostalgie pur und einer der Höhepunkte meiner Kunstfliegerei! "Oben
ohne" in einem (fast) vollakro-tauglichen Grunau-Baby, ein
unbeschreibliches Erlebnis. Wegen der Begrenzung auf - 3g hatte das LBA keine
negativen Figuren ausser Rückenflug und Rückenkreise zugelassen.
Dank seiner niedrigen Flächenbelastung fliegt der Habicht alle Figuren viel
langsamer als man es von heutigen Kunstflugseglern gewohnt ist. Die Knüppelwege
sind recht gross und die Steuerdrücke angenehm niedrig. Die meisten
Figuren sind mit diesem Flugzeug erstaunlich einfach. Die Rollrate ist eher
schneller als bei der Lo 100 und dank des Knickflügels bleibt die Schnauze auch
im Messerflug brav am Horizont.
Meine ersten beiden Versuche einen Turn (Renversement) zu
fliegen, gingen kläglich in die Hose. Ich hatte kaum vorgespannt und so wie bei der
Lo 100 ins Seitenruder getreten, aber trotz Vollausschlag des etwa
Autotür-grossen Geräts am Schwanz tat sich rein gar nichts. Der
Habicht zeigte mir zwei astreine Männchen! Dann kapierte ich,
dass der Knickflügel auch in diesem Fall das Flugzeug wie auf
Schienen geradeaus fliegen lässt. Beim nächsten Versuch wartete
ich, bis ich das Gefühl hatte, jetzt geht überhaupt nichts
mehr. Als ich dann ins Seitenruder trat, drehte der Habicht
wie auf dem Teller.
Mit Vorspannen wäre es wohl einfacher gewesen, aber damit hatten wir's damals noch nicht so...
Anflug und Landung ebenfalls mit Grunau-Baby-Geschwindigkeit und Glissade bis kurz vor dem
Aufsetzen gaben das perfekte Oldtimer-Feeling. Die Störklappen auf der Flügeloberseite sind
eher Verzierung, zur Gleitwinkelsteuerung sollte man sich besser nicht darauf verlassen.
Seit 2001 kann man einen weiteren, wunderschönen Habicht-Nachbau auf vielen
Flugschauen und Oldtimer-Treffen bewundern.
Der D-1901 wurde in dreijähriger Arbeit von Grossvater, Sohn und Enkel Zahn gebaut. Walter
und Clemens Zahn sind seit vielen Jahren mit ihren Grossmodellen in der Modellflugszene
wohlbekannt.
Als Enkel Christoph 1998 mit der Segelfliegerei begann, keimte der Entschluss, für ihn
ein "richtiges" Segelflugzeug zu bauen. Die Wahl fiel auf den Habicht, für den inzwischen
komplette Zeichnungssätze über das Segelflugmuseum zu beziehen sind.
Dem D-1901 sieht man die liebevolle Bauausführung von allen Seiten an.
Rund 5000 Arbeitsstunden hatten die Zahns bis zum Erstflug im April 2001 investiert. Das
Leergewicht liegt mit 241kg sogar 9kg unter den Vorgaben.
Das Seitenruder ziert übrigens ein Portrait des Konstrukteurs Hans Jacobs.
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Das absolute Highlight zum Thema "Habicht" setzte Christoph Zahn beim Salzmann Cup 2009:
Er siegte mit dem D-1901 in der Kategorie "Advanced" (Schweiz: Promotion) gegen 23 Konkurrenten auf Swift, Fox und
SZD-59.
Und das mit einem Vorsprung von mehr als 200 Punkten!
Technische Daten
| Spannweite | 13,6m |
| Länge | 6,58m |
| Flügelfläche | 15,82m² |
| Flugmasse | 350kg |
| Lastvielfache | +6 / -3 |
| Höchstgeschwindigkeit VNE | 250km/h |
| Mindeststgeschwindigkeit VS | 55km/h |
| Gleitzahl | 19,4 bei 75km/h |
| geringstes Sinken | 0,8m/s bei 65km/h |
Update, M. Echter 06-2009