
Segel- Kunstflugzeuge

Der Celstar hat wahrscheinlich die kurioseste
Entstehungsgeschichte von allen Segel-Kunstflugzeugen:
Bei der Konferenz der internationalen Kunstflugkommission, CIVA,
im Herbst 1988 fragten der Vorsitzende des
Segelkunstflugkommittees, Karl Berger und der deutsche
CIVA-Delegierte, Helmut Laurson, den damaligen
CIVA-Vizepräsidenten, Peter Celliers aus Südafrika, ob er nicht
in der Lage wäre, ein zeitgemässes Segel-Kunstflugzeug zu
entwickeln. Celliers, aktiver Motorkunstflieger, besass einen
kleinen luftfahrttechnischen Betrieb und hatte bereits ein
leichtes Motorflugzeug konstruiert und gebaut.
Das Problem war, dass Celliers sich noch nie mit
Segelkunstflug befasst hatte und auch noch keine Segelfluglizenz
besass. Er schaute sich daraufhin den damaligen
Alfa-Figurenkatalog für den Segelkunstflug an und beschloss, ein
Flugzeug zu entwerfen, mit dem alle darin enthaltenen Figuren
geflogen werden können.
Innerhalb von nur sechs Monaten entstand der Prototyp eines
Kunstflugzeugs ohne Motor. Die Auslegung des Celstar nahm kaum
Rücksicht auf gute Gleit- oder gar Segelflugleistungen. Alles
war auf hohe Belastbarkeit und Manövrierfähigkeit hin
optimiert. Als Flügelprofil wählte Celliers ein 15% dickes
symmetrisches Wortmann-Profil, ähnlich dem der Mü28. Die über
die ganze Spannweite reichenden Spalt-Querruder mit Spades kamen
direkt aus dem Motorkunstflug.
Als Peter Celliers zur Weltmeisterschaft 1989 nach Hockenheim (D) kam, hatte er kaum Kunstflugerfahrung auf Segelflugzeugen. Auf dem Celstar hatte er gerade die ersten Testflüge absolviert. Trotzdem belegte er in der Bekannten Pflicht den zweiten Platz. Die an den Motorkunstflug erinnernde Präzision der Figuren und der aufgrund der hohen Geschwindigkeiten weiträumige Flugstil mit dem Celstar beeindruckten erwartungsgemäss die Punktrichter, die das mit sehr hohen Noten belohnten. Gleichzeitig war aber auch zu erkennen, dass der Höhenverlust in den Figuren beträchtlich und die aerodynamische Güte des neuen Flugzeugs offenbar doch ziemlich bescheiden war.
Die Stunde der Wahrheit für den Celstar schlug in der Kür: Als wir Peter's Kür auf dem Papier sahen, fragte sich so mancher, ob er das Programm überhaupt schon einmal mit dem Celstar geflogen hätte. Kaum einer hielt es für möglich, sowas mit einem "Segelflugzeug" in 1000 Höhenmetern zu fliegen. Die Skeptiker behielten recht. Die Höhe reichte einfach nicht und die letzten Figuren seiner Kür flog der gute Peter in "Ameisenkniehöhe". Er kam knapp an einer Disqualifikation vorbei und fiel auf Gesamtplatz 22 zurück.
In der darauf folgenden Unbekannten Pflicht dagegen konnte
Celliers die Vorzüge seines Flugzeugs voll ausspielen und wurde
nicht überraschend Weltmeister in dieser Disziplin.
Damit war klar, dass mit dem Celstar zwar ein bestechender
Flugstil möglich war, aber die schwachen Gleitflugleistungen
dieses Flugzeugs sehr sorgfältige Planung und äusserst sauberes
Fliegen verlangten, wollte man ein Programm mit mindestens zehn Figuren in der
verfügbaren Höhe unterbringen.
Was die geplante Vermarktung des Celstar aber letztlich scheitern liess, war die schlampige Bauausführung und der schlechte technische Support. Insgesamt wurden nur drei Serienflugzeuge ausgeliefert.
Als die Schweizer Segelkunstflieger 1989 nach dem Verlust des Salto (HB-1584)
ein neues, konkurrenzfähiges Kunstflugzeug suchten, bot sich der Celstar als das
modernste Flugzeug auf dem Markt an. Der erste - und auch einzige - Celstar, der
nach Europa geliefert wurde, ging in die Schweiz (HB-3028). Leider erwies sich
die südafrikanische "Wunderwaffe" bald als arge Enttäuschung. Die Bauausführung
war so schlecht, dass viel Geld und noch mehr Arbeitszeit investiert werden
mussten, bevor man damit überhaupt fliegen konnte.
Bei der Weltmeisterschaft 1991 im polnischen Zielona Góra traten drei Schweizer
Piloten auf dem Celstar an. Alle drei hatten ihre Mühe mit den Eigenarten
dieses radikalen Flugzeugs. Mit den Rängen 19, 21 und 25 von insgesamt 32
Teilnehmern war dann auch die Ausbeute ziemlich dürftig.
(Siehe Saga Minichronik)
Aber auch die anderen Celstar-
Piloten konnten bei dieser WM nichts gegen die beiden
Swift-Prototypen
ausrichten.
Erfolgreichster Teilnehmer auf Celstar war der Südafrikaner Munnikhuis auf dem
11. Rang.