Segel-Kunstflugzeuge

 

 

LET L-13 Blaník

 


Foto: ©Blanix Team

Der 1956 konstruierte Tschechische Blaník war bis zum Erscheinen der ASK 21 der wichtigste Doppelsitzer für die Kunstflugschulung. Mit Fowlerklappen und Einziehfahrwerk war er seinerzeit eines der fortschrittlichsten Segelflugzeuge überhaupt. In den früheren Ostblockstaaten war der Blaník das meistgeflogene Schulungssegelflugzeug und es wurden davon ab 1958 über 2650 Exemplare gebaut. Die meisten davon gingen an die sowjetische DOSAAF, wo sie für die vormilitärische Pilotenausbildung eingesetzt wurden.
Der Blaník wurde auch in grosser Zahl in den Westen exportiert und auch heute noch nach 55 Jahren ist er das zahlenmässig meistverbreitete Segelflugzeug weltweit.

Der Blaník ist ein Ganzmetallflugzeug, lediglich die Steuerflächen und Wölbklappen sind stoffbespannt. Wie bei vielen Metallflugzeugen ist auch beim Blaník die Struktur für eine begrenzte Lebensdauer ausgelegt. Die maximal zugelassene Stundenzahl ist 3750.

Doppelsitzig war der Blaník nur für den "einfachen" Kunstflug zugelassen. Höherer Kunstflug, einschliesslich Rückenflug, war mit dem Blaník immer nur einsitzig, d.h. bis zu einer Flugmasse von 400kg erlaubt.
Trotzdem wurde der Blaník, in Ermangelung eines Besseren, oft auch für die doppelsitzige Kunstflugschulung eingesetzt. Die unvermeidliche Folge war, dass die Flugzeuge überlastet wurden und die Metallstruktur auf Dauer Schäden davontrug.

Nachdem im Juni 2010 ein Blaník in Österreich beim Kunstflug abstürzte und als Ursache Materialermüdung in den Holmgurten nahe der Flügelwurzel festgestellt wurde, haben EASA und FAA alle Blaník in Europa und USA bis auf Weiteres gesperrt.
Das Problem bei der Wiedererlangung der Lufttüchtigkeit besteht vor allem darin, dass die Unterlagen der meisten Flugzeuge keinen zuverlässigen Überblick über Anzahl und Grösse der wirklichen Belastungen hergeben. Insofern ist es kaum möglich zu beurteilen, ob Ermüdungsschäden vorliegen oder nicht. Tatsächliche Beschädigungen sind von aussen nicht erkennbar und können nur mittels aufwändiger Prüfverfahren nachgewiesen werden.
Inzwischen bietet die Deutsche Firma
Aircraft Design & Certification Ltd. ein durch die EASA zugelassenes "Supplemental Type Certificate" (STC) an. Dafür wird die Zelle auf eventuelle Ermüdungsschäden untersucht und Verstärkungen an Holmen und Wurzelrippen angebracht. Die Modifikation hat keinen Einfluss auf die Stundenbegrenzung von 3750 und ist selbstverständlich nicht gerade billig.
Als Erste wurden dort die beiden Blaník des Österreichischen
"Blanix" Teams umgebaut, die inzwischen auch wieder fliegen.

 

Technische Daten

Spannweite 16,2 m
Flügelfläche 19,15 m²
Profil NACA 632A-615
Leermasse 292 kg
Flugmasse 500 kg
Flächenbelastung 26,1 kg/m²
Lastvielfache bei M=500kg +5,0/-2,5
Höchstgeschwindigkeit (ruh. Wetter) 240 km/h
Gleitzahl 28 bei 93 km/h
Sinkgeschwindigkeit 0,84 m/s bei 83km/h

 

 

1997 wurde eine "Vollakro"-Version des Blaník unter der Bezeichnung L-13 AC Blaník Full Acro vorgestellt.
Die Spannweite ist auf 14,2m verkürzt und das Seitenleitwerk durch einen Kiel auf dem Rumpfrücken vergrössert. Die sicheren Lastvielfache sind doppelsitzig auf +5,5 / - 4,0 und einsitzig auf +6,3 / - 4,0 erhöht.

Die US Air Force Academy setzte für die Kunstflugschulung ihrer Kadetten bislang fünf L-13 AC unter der Bezeichnung TG-10C ein. Da diese aber wegen der intensiven Nutzung inzwischen an der Grenze ihrer Lebensdauer angelangt sind, werden sie durch neu beschaffte DG-1001 ersetzt, die inzwischen als TG-16A in Dienst gestellt wurden.
USAFA News 15.07.11

 

 Technische Daten:

Spannweite 14,2 m
Flügelfläche 17,4 m²
Leermasse 305 kg
Flugmasse 500 kg
Lastvielfache (solo) +6,3 / -4,0
Höchstgeschwindigkeit VNE 230 km/h
Gleitzahl 26

Quellen: "Segelfliegen" 4/2011,
Website der Firma AD&C

 

Update, M. Echter 12-2011