12. Segelkunstflug-Weltmeisterschaft 2007 in Niederöblarn, Österreich

Zum zweiten Mal seit 1999 fand die Weltmeisterschaft der Segelkunstflieger vom 16. bis 25. August 2007 im steirischen Niederöblarn statt. Der Flugplatz bietet für einen derartigen Event die optimale Infrastruktur und die Wettbewerbsorganisation nutzte das Wetter bestmöglich aus, so dass fünf von maximal sechs möglichen Programmen geflogen werden konnten.

Die WM war mit 50 Piloten und einer Pilotin aus insgesamt 12 Nationen deutlich besser besucht als die vorige Weltmeisterschaft 2005 in Russland, an der wegen der komplizierten Logistik nur 38 Piloten teilgenommen hatten. Die Wettbewerbsleitung lag in den erfahrenen Händen von Manfred Echter, der schon die WM 1999 am selben Ort geleitet hatte. Das professionelle Team des örtlichen Schulleiters Tibor Schmidt und seines Flugleiters Dieter Kolar sorgte für einen reibungslosen Ablauf des Flugbetriebs. Präsident der Internationalen Jury und oberster Repräsentant der FAI war Mike Heuer, der Präsident der internationalen Kunstflugkommission, CIVA.

Nach nur einem Teilnehmer 2005 war die Schweiz bei dieser WM mit zwei Piloten vertreten, dem vielfachen Schweizermeister Christian Schmid, sowie Andris Kade, die beide zuletzt 2003 in Ungarn die Schweizer Farben vertreten hatten.

Philippe Küchler und Alfred Kormann repräsentierten die Schweiz im internationalen Punktrichtergremium.

Das Training konnte bis zur Eröffnung am 16. August bei durchweg fliegbarem Wetter abgeschlossen werden. Zum Wettbewerbsbeginn am 17. August gab es aber erst mal einen Regentag. Am 18. und 19. August konnte dann das erste Programm, die Bekannte Pflicht geflogen werden.
Dabei gaben Christian Schmid mit dem 24. Platz und Andris Kade mit Rang 35 leider einen enttäuschenden Einstand. Der im internationalen Vergleich absolut ungenügende Trainingsstand der beiden Schweizer, die aus beruflichen Gründen ihre Trainingsaktivitäten auf ein Minimum einschränken mussten, war unübersehbar. Andererseits zeigte sich aber an den im Vorfeld vielfach als Favoriten gehandelten Gastgebern, dass ein grosser Trainingsaufwand allein noch keine Garantie für Medaillen ist. Die Österreicher waren zwar von staatlicher Seite und durch Sponsoren relativ grosszügig gefördert worden, waren aber dem übergrossen Erwartungsdruck nicht gewachsen.

Der russische Titelverteidiger Georgiy Kaminskiy, der amtierende Europameister und Weltmeister 2003, der Ungar Ferenc Tóth, und der sechsfache Weltmeister, Jerzy Makula aus Polen, alle Berufspiloten, meldeten ihren Anspruch auf Medaillen mit guten Platzierungen unter den ersten 10 an. Das zweite Programm, die 1. Unbekannte Pflicht begann noch am 19.und konnte am 20. beendet werden.
Dieser Durchgang lief für die beiden Schweizer eher noch schlechter als der erste. Christian Schmid vergass nach einem bis dahin gut geflogenen Programm die letzte Figur und fiel auf Rang 43 zurück, während Andris Kade um 2 Plätze auf 37 abrutschte. An der Spitze überraschte der Deutsche Meister Markus Feyerabend mit dem Tagesieg, während Olaf Schmidt den deutschen Doppelsieg komplettierte.

Das dritte Programm, die Kür, konnte wegen Regen erst am 22. August abgeschlossen werden. An der Spitze erflog der Routinier Kaminskiy den Tagessieg vor dem Ungarn Szilágyi und dem immerhin schon 61-jährigen Franzosen Daniel Serres. Daniel bewies einmal mehr, dass Kunstflug jung erhält, denn wäre die WM nach diesen drei Programmen beendet worden, wäre er, dank seiner insgesamt guten Platzierungen, sogar Weltmeister geworden.
Unsere Schweizer hatten einen etwas besseren Tag: Mit einem 29. Tagesplatz konnte Christian Schmid wieder auf Rang 39 vorrücken, während Andris Kade weiter auf den 43. Platz zurück fiel.
Nach der 2. Unbekannten Pflicht hatte sich das Trio Kaminskiy, Tóth und Makula auf den Medaillenrängen etabliert; ihnen auf den Fersen die beiden Deutschen Feyerabend und Schmidt. Mit einem 34. Tagesplatz reichte es für Christian Schmid nur zum 40. Rang der Gesamtwertung. Andris Kade schaffte nur den letzten Tagesplatz und den 47. Rang der Endwertung.

Um die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten, liess die Wettbewerbsleitung anschliessend die vordere Hälfte des Feldes noch die dritte Unbekannte Pflicht fliegen. Bei den knappen Punktabständen in der Spitzengruppe konnte ein Fehler eines der Favoriten die Verteilung der Medaillen noch einmal umkrempeln. Genau so ein Fehler unterlief Markus Feyerabend (D). Ein "Ausflug" von 35 Sekunden ausserhalb der Box brachte ihm 70 Strafpunkte ein und kostete ihn die Goldmedaille in der Unbekannten Pflicht.
Das Spitzentrio indes liess nichts anbrennen, und so wurde Georgiy Kaminskiy (RUS) verdient Weltmeister.
Silber ging an Ferenc Tóth (HUN). Bronze sicherte sich Altmeister Jerzy Makula (POL).
Der sympathische Fluglehrer Kaminskiy aus Serpuchov bei Moskau ist damit der zweite Russe seit Michail Mamistov (1995 und 1997), der seinen Weltmeistertitel erfolgreich verteidigte.

Mannschafts-Gold holten sich die Ungarn in einem knappen Rennen vor den Deutschen. Die russische Mannschaft musste sich mit Bronze zufrieden geben.

Hier alle Resultate.

 

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