10. Segelkunstflug-Weltmeisterschaft 2003 in Pér, Ungarn

Tagebuch von Fred Kormann, International Judge

31. Juli bis 4. August: Anreise, Vorgeplänkel

31. Juli / 1. Aug.:

Die CH-Teilnehmer fahren nach Ungarn, alle kommen gut an, trotzteilweise langen Wartezeiten an der Grenze (bis 3.5 h). Die Piloten campieren am Flugplatz. Es ist schön und heiss, am 1. Aug. gibt's ein Gewitter mit einigen Regentropfen.

 

 

 

Die SAGA-Matadoren

 

2. Aug.:
Herumgehockt, am Abend das erste Briefing. Endlich bekomme ich einen Ausweis:

 

 

Der wahrhaft internationale Judge

 

3. Aug.:
Die Hitze bei der gepflegten Eröffnungsfeier führt zu einigen Hitzestaus. He nu, wenigstens werden deswegen diverse Reden gekürzt... Das arme Trachtenmeitschi mit der USA-Standarte steht ganz alleine da, weil der einzige Yankee Charles Kalko nicht da ist. Ergo springen erst Pinguin und dann ich ein und übernehmen die Flagge mit den Stars and Stripes - ich mit SAGA-Leibchen, Briten-Ausweis, Hut aus Namibia und Rucksack aus Norwegen (zudem habe ich einen kanadischen Pass). Als InternationalJudge muss man halt auch derartige Aufgaben übernehmen...

Bei der Airshow wird Waghalsiges gezeigt, das man im Westen nicht mehr gewohnt ist, z.B. eine SP91 mit einer gerissenen Rolle in 20 m über Grund ! Alle WM-Beteiligten erfreuen sich am schönen Buffet.

 

 

Ferry Toth's Schauprogramm Foto © Craig Manley

 

4. Aug.:
Tag des offizielle Trainings und der ausführlichen Indoktrination der Punktrichter inkl. Probewertungen. Es ist immer noch schön, heiss und trocken; zum Glück fehlen die im Vorfeld angekündigten Moskitos!

Am Abend legen die nationalen Teams dar, welche Figuren sie in den unbekannten Pflicht haben möchten. Der sog. „Russenpimmel“ löst grosse Diskussionen aus: Ist diese Figur mit der Lo100 fliegbar oder nicht ?

 

5. August: Bekannte Pflicht
Charles Kalko eröffnet die WM-Flüge, d.h. er ist endlich einmal Nr. 1! Unsere Piloten sind nervös und produzieren viele Nuller. Schlaufi ist mit Rang 32 bester Eidgenosse, die anderen findet man ab Platz 44; Stöffu „heuet“ und schliesst die Rangliste ab.
1. J. Makula, 2. F. Toth, 3. G. Kaminsky;

 

Abends Bekanntgabe der unbekannten Pflicht 1 - mit dem gefürchteten „Russenpimmel“ (Figur 2):

 

6. August: Unbekannte Pflicht 1
Ausgerechnet Philipp Hilker hat Start-Nr. 1 und meistert den „Russenpimmel“ mit der Lo100 erstaunlich gut. Nur wenige Piloten haben damit grosse Probleme (solange man's mit den Betriebsgrenzen nicht allzu genau nimmt). Schlaufi fliegt prima und erfliegt Rang 16. Chrigu wird 24. Fredy 26. Pinguin 45. und Stöffu schlägt wenigstens zwei Briten.
1. A. Panfierov, 2. K. Brzakalik, 3. G. Kaminsky, 4. F. Toth;
J. Makula produziert einen groben Schnitzer sprich Nuller im Rollenkreis - nur Rang 23.

 

7. August: Kür 1
Die Thermik macht aus diesem Programm teilweise eine Lotterie. Beispiele: Fredy hat starken Aufwind und ist in 500 m Höhe fertig, während M. Krämer erbarmungslos nach unten gedrückt wird und Figuren auslassen muss (Rang 46). Zwei Piloten fliegen unter 100 m immer noch Figuren und werden deshalb disqualifiziert.
Chrigu 25. Stöffu steigert sich (31.) Schlaufi 34. Pinguin 36. Fredy 37.
1. J. Makula, 2. A. Panfierov, 3. G. Kaminskiy.

 

8. August: Ruhetag
Das Wetter ist wie gewohnt heiss/trocken/schön. Um 19 Uhr gibt's auf dem Flugplatz ein Briefing: Bekanntgabe der unbekannten Pflicht 2.

 

9. August: Unbekannte Pflicht 2
Das Programm erscheint weniger schwierig als die 1. Unbekannte, es selektioniert jedoch trotzdem. Die Figur der Briten wird in Anbetracht ihrer Trinkgewohnheiten und der kolonialen Vergangenheit als Teekessel oder Kamelbuckel getauft. Bei Christian passt alles. Sein Programm ist zwar wegen Thermik bei 600 m Höhe bereits beendet, aber er landet auf Platz 10 ! Stöffu ist ebenfalls auf dem Vormarsch: Rang 27. Schlaufi wird 35. Pinguin 43. Fredy verliert etwas die Orientierung und kassiert dafür eine Programmunterbrechung - Rang 47.
1. F. Toth, 2. J. Makula (- 61 Punkte), 3. G. Kaminskiy;
HB-Piloten 26. (Chrigu) bis 48. (Stöffu).

 

10. August: Kür 2
Die PilotInnen werden nach der Rangliste in drei Gruppen aufgeteilt. Die Letzten fliegen zuerst, das bedeutet (wieder) Thermik für Gruppe 2. Die Programme werden bis Start-Nr. 37 durchgezogen. Für die Punktrichter beginnt die Mittagspause wegen Video-Kontrollen erst um 14 Uhr. Der Wiederbeginn mit der Gruppe 1 verzögert sich wegen starken Turbulenzen bis um 17 Uhr; die letzten Piloten starten nach 20 Uhr.
J. Makula wird souverän 1. Toth 2. und Kaminskiy 3. Die ersten Gesamtränge sind gleich wie gestern.
Chrigu wird 25., Schlaufi 27., Fredy 39,. Pinguin 48. und Stöffu 49. Abends wird uns ein typisches einheimisches Essen kredenzt, und die ungarischen Piloten entpuppen sich als exzellente Tänzer und Schauspieler. Um Mitternacht verziehe ich mich - andere viel viel später …

 

11. August: Ruhetag
Der Ruhetag passt: Der Wind wäre für Wettbewerbsflüge zu stark gewesen. Beim Wetter nichts Neues, immer noch trocken und heiss.
Abends erfolgt wie inzwischen gewohnt die Bekanntgabe der unbekannten Pflicht 3.

 

12. August: Unbekannte Pflicht 3
Das Programm hat Tücken: Bei den Figuren 2 und Figur 3 bzw. der Linie dazwischen wird oft gemogelt, aber vom Punktrichter-Standort ist das schwer zu sehen. Fredy fliegt ausgezeichnet: Platz 9, der bisher beste CH-Tagesrang ! Pinguin macht Fortschritte, Stöffu krebst zurück, Chrigu 17. Schlaufi 28. Pinguin 31. Stöffu 53.
J. Makula und F. Toth sind punktgleich an der Spitze, 3. wird M. Marganska.

Gesamtränge nach 6 Programmen: 1. F. Toth, 2. J. Makula, 3. G. Kaminskiy;
23. Chrigu, 27. Schlaufi, 36. Fredy, 48. Pinguin und 50. Stöffu.
Die Mannschaftswertung wird mit diesem Programm abgeschlossen: 1. Polen, 2. Russland, 3. Ungarn, 4. Deutschland, 7. Schweiz

 

13. August: Kür 3, Teil 1
Erstmals ziehen Wolken auf und fällt etwas Regen. Ergo wird erst nach 10 Uhr gestartet. Bis Start-Nr. 23 kann geflogen werden (umgekehrte Reihenfolge gemäss Gesamtplatzierung), dann muss wegen zu starkem Wind unterbrochen werden.

Nach 16:30 wird's erneut versucht, aber nach zwei Starts muss wegen einem Gewitter abgebrochen werden. Die Flugzeuge sind nur knapp vor äusserst heftigen Sturmböen eingeräumt - mit viel Glück werden Schäden vermieden !

14. August: Kür 3, Teil 2
Es ist heiss (38°) und feucht. Die Flüge beginnen um 09 Uhr, mit viel Wetterglück: Es gibt kaum Wind oder Thermik, der Regen kommt erst später.

Bis etwa 13 Uhr sind die restlichen Starts durch. J. Makula fliegt zwar sehr gut, aber F. Toth hat ebenfalls stählerne Nerven, erzielt eine praktisch gleiche Punktzahl und wird deshalb mit 35 Punkten Vorsprung Weltmeister !

Nach dem letztem Flug werden die Punktrichter mit einheimischem Schnaps traktiert - potentes Zeug …

 

Schlusswertungen (Punktezahl total):

1 Ungarn Ferenc "Ferry" Toth  14.092
2 Polen Jerzy "Jurek" Makula  14.057
3 Russland Georgiy Kaminskiy  13.899 
22 Schweiz Christian Schmid  12.630
31   Matthias "Schlaufi" Schlaufer  12.381
34   Fredy Schneider  12.258
45   Andris "Pinguin" Kade  11.392
49   Stefan "Stöffu" Heldstab  10.774

 

 

15. August: Abschluss
Petrus muss ein Kunstflieger sein: Heute, nach WM-Schluss, ist das Wetter wechselhaft mit böigem Wind, etwas Regen und dazwischen Sonne. Um 16 Uhr besammeln sich alle auf dem Flugplatz. Wir müssen lange warten, weil die polnische Nationalhymne fehlt …

 

 

Warten auf die polnische Nationalhymne,
oder Pinguin schleicht sich bei den Russ(inn)en ein...

 

 

 

Die Sieger der Gesamtwertung

 

Dann werden Reden geschwungen sowie die unzähligen Medaillen, Töpfe und Urkunden verteilt. Zur oben erwähnten Umwandlung von Fred zum Briten passt, dass nun sein deutscher Assistent Manfred Binder zum Schweizer gemacht wird !

Nach dem Nachtessen erhalten die Geburtstagkinder S. Katona und M. Echter sowie alle Teams Torten. Es entwickelt sich eine lustige Party mit viel Bier, Wein und Schnaps. Die Schweizer Piloten haben zwar keine Medaillen errungen, aber sie tanzen wie die Weltmeister bis in die Morgenstunden.

 

16. August: Heimfahrt
mit mehr oder weniger Kater …